„and the stars look very different today…

… for here am i sitting in my tin can, far above the world“

singt David Bowie in `Space Oddity´.

Sang. Hat gesungen.

Denn seit diesem Montag ist er selbst ganz wirklich, nicht nur als Major Tom, `far above the world´.

Was aus London dringt, ist wie eine Bombe. David Bowie ist, zwei Tage nach seinem Geburtstag und dem Erscheinen seines Albums `Black Star´ gestorben.

Drei Stunden nachdem die Meldung online geht, lande ich nach dem Yoga an meinem Schreibtisch, um meinen Dienstagspost vorzubereiten. Weit komme ich nicht.

In meinem sms-Fach liegt die Nachricht: `David Bowie ist tot´. Bäm. Ich google und werde überschwemmt. Bowie überall. Die Nachricht hat, einem Virus gleich, sämtliche Kanäle durchzogen.

David Bowie ist tot.

Ich bin geschockt. Ich meine so richtig. Nicht wegen so `nem Super-Star-Hype. Sondern weil David Bowie mein Herz berührt hat. Immer und immer wieder.

„Never born, so I’ll never get old.“

davidbowie david bowie starman ziggyforever blackstar black star copyright by julia wunderlich

„There’s a starman, waiting in the sky…“

David Bowie, Selbst-Verwirklicher Nummer Eins. Mind-Blower, Glitter-Mastermind, Super-Hero. Anders, verrückt – und immer er selbst. Wieder und wieder kreiert er sich neu. Das alte Selbst beständig abgestriffen, um ein neues, aktuelleres, präsenteres zu gebären.

David Bowie ist hundertmal gestorben um immer wieder neu zu leben.

„I opened doors that would have blocked their way“

David Bowie hat uns in den Spiegel blicken lassen und gesagt, dass wir sein können, was wir uns erträumen.

Bowie hat gezeigt, dass wir alles sein können, was wir wollen. Alles. OneSex, NoSex, AllSex. Whatever!

Es ist Montag Abend. Der elfte Januar. Feuchter, milchiger Nebel zieht durch die Strassen dieser heute grauen Stadt während ich `Low´ auf den Teller lege. Die Platte kreist bei 33. Der Raum um mich rückt zurück. Ich liebe dieses Glocken-Dasein beim Plattenhören. Über die Kopfhörer dringt Bowies Stimme im mein Ohr. Sie klingt wie immer. Hell. Vertraut. In mir ist rot – und gold.

„Rebel Rebel, I love you so.“

Ich kenne David Bowie seit „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo„. Eine ganze Generation hat sich damals in ihn verliebt. Das war Post-Glam-Rock und nach dem Tod von Ziggy Stardust. Und nach dem Tod von Major Tom. Damals war ich post-pubertär. Und Bowie war eine willkommene Abwechslung zum damals bezaubernd kaputten Kurt Cobain. Seitdem begleitet mich Bowie. Mal näher, dann weiter weg. Aber immer da.

Wenn der Himmel drückt, wenn ich mehr Laut, denn Leise will, dann höre ich David Bowie. Weil er mein Herz berührt. Weil er mich entgrenzt. Weil seine Stimme mir eine farbenfrohe Brücke baut, wenn es mir mal zu dunkel wird. Ich liebe David Bowie, weil seine Lieder so echt sind, dass mir nahezu schlecht wird.

„I never did anything out of the blue“

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Bowie, `The Archer´, 1976. Photo von John Rowlands.

Bowie, die Metamorphose, wirkt, trotz verschiedener Gesichter immer echt, aus dem Bauch heraus. Auch seine durch Kokain, Krankheit und Alter brüchig gewordene Stimme versteckt er nicht. Sogar seinen nahenden Tod `präsentiert´ er uns rau, ehrlich und direkt – mit dem Tod des `Starman´ und der Geburt des `Black Star´ – in seinem okkulthaften, vorletzten Video.

„Something happend the day  he died … I’m a black star. Not a white star. I’m a black star.“

Wie wird es sein, dich jetzt zu hören?

Ich werde meine roten Schuhe anziehen – und weiter tanzen.

David Bowie, großartiger `Starman´, goldener `Spaceinvader´, Du hast auch in mir Türen geöffnet und mich in wundersame Farben getaucht.

Ich wünsche Dir eine bombastische letzte Reise.

Danke!

„and the stars look very different today

… planet earth is blue,

there is nothing i can do.“

davidbowie david bowie starman blackstar black star copyright by julia wunderlich

„Where are we now?“