Ackergifte? Nein Danke!

Meine Freundin Silke arbeitet für die OYA und ist ein treibender Motor in der Kampagne „Ackergifte? Nein Danke!“. Was es mit Ackergiften wie Glyphosat auf sich hat und warum wir alle gefragt sind, erzählt sie in diesem Artikel.

Detox in einer vergifteten Welt? – Das Übel an der Wurzel anpacken!

von Silke Hoffmann

Es war letztes Jahr im März, als ich im Garten in der Abendsonne mit meinen Nachbarinnen geschwatzt habe – die eine goss Pflanzen, eine andere kam nach Hause und vom Balkon grüßte gerade unsere junge Mutter herunter. Sie war es auch, die von oben die Spritze zuerst gesehen hat, die über den angrenzenden Acker fuhr.

Mit Spritze ist ein großer Traktor gemeint, der einen Tank mit sich führt. Dessen flüssiger Inhalt wird über Düsen an Armen, die oft eine Gesamtspanne von knapp 30 Meter haben, über den Acker und damit in die Welt versprüht. Was da gerade versprüht wird, erfährt man meistens nicht. Auch nicht wenn man nachfragt. Es könnte Dünger sein, oder Gülle.

An diesem Abend waren es wieder Pestizide, die als sogenannte „Pflanzenschutzmittel“ die Kulturpflanzen vor den sogenannten „Schadpflanzen/ Unkräuter“ schützen sollen. Man könnte aber auch sagen, dass Ackergifte gespritzt werden, die sowohl die unerwünschten Beikräuter vernichten, als auch das gesamte Ökosystem belasten (Boden, Mikroorganismen, Wirbellose, Insekten, Luft, kleine Säugetiere, Vögel, größere Säugetiere, Wasser, Menschen). Als „gute fachliche Praxis“ legitimiert sich das Spritzen chemisch-toxischer Substanzen in der Agrarindustrie und gehört dort zum Arbeitsalltag.

Für mich war es kein Alltag, denn ich bemerkte etwas Neues

Ich bin einen Tick zu lange draussen geblieben und nicht gleich in die Wohnung geeilt, um alle Fenster zu schliessen. Zuerst spürte ich ein Taubheitsgefühl in der Nase, dann im Rachen. Dann brannten meine Augen.

Ich sehe die Spritze regelmäßig über Land fahren, doch jetzt stand ich im Wind und spührte zum ersten Mal unmittelbar körperliche Reaktionen.

Glyphosat ist überall

Es gibt heute eine enorme Vielzahl an chemischen Wirkstoffen, welche die Agrarindustrie zur Schädlingsbekämpfung unterschiedlicher Art einsetzt. Das weltweit meistverkaufte Breitbandherbizid Glyphosat ist derzeit in aller Munde und das in zweierlei Hinsicht: Zum einen wörtlich zu nehmen, da es sich, wie Untersuchungen aufgezeigt haben, längst seinen Weg in unsere Nahrungskette gebahnt hat. Zum anderen, da die EU-Zulassung des Wirkstoffs im Juni dieses Jahr ausläuft.

Ein guter Zeitpunkt um mobil zu machen, damit dieses Ackergift, welches die Weltgesundheitsorganisation (WHO) letztes Jahr als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft hat, aus unseren Ökosystemen verschwindet und nicht für weitere 15 Jahre zugelassen wird.

Urinale-Plakat_FOTO

Plakat der Kampgne.

Die Kampagne „Ackergifte? Nein danke!“, initiiert von der Bürgerinitiative Landwende, hat deshalb Ende letzten Jahres die Aktion „Urinale 2015“ ins Leben gerufen. Mit Hilfe der Zivilbevölkerung ist es uns gelungen, gemeinsam eine längst überfällige Lücke zu schließen, nämlich einen Datensatz zu erfassen, der erstmalig wissenschaftlich beziffert, wie es hierzulande um die Belastung der Bevölkerung mit Glyphosat bestellt ist.

Im März 2016 konnten wir bei einer gut besuchten Pressekonferenz in Berlin die alarmierenden Ergebnisse präsentieren: 99,6% der Bevölkerung haben Glyphosatrückstände im Urin aufzuweisen!

Mittlerweile steigt der Druck von zahlreichen NGO’s europaweit, die nicht damit einverstanden sind, dass zum Wohlergehen von Monsanto & Co. der Artenschwund massiv vorangetrieben wird, die Gesundheit unseres Bodens, der Luft und des (Trink)Wassers und letztlich unsere eigene körperliche Unversehrtheit aufs Spiel gesetzt wird.

Ein weiteres Mal musste die Entscheidung, die im März in der EU Kommission anstand, vertagt werden. Das Zünglein an der Waage war tatsächlich Deutschland, wo Uneinigkeit die Entscheidung blockierte. Doch in den nächsten Wochen wird es ein Urteil geben müssen.

Hilf auch Du, für eine enkeltaugliche Landwirtschaft, frei von Ackergiften!

Unterstützt wurde die „Urinale 2015“ von der Zeitschrift „Oya – anders denken. anders leben“.

Willst Du etwas tun und mehr zu dem Thema wissen, dann folge diesen Links:

www.ackergifte-nein-danke.de

https://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%BCrgerinitiative_Landwende

www.urinale.org

www.oya-online.de

 

 

 

 

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