Endometriose? Beschwerden mit Ernährung und Ayurveda begegnen.

Endometriose betrifft über eine Million Frauen in Deutschland. Du hast Endometriose? Nein, du bist weder hysterisch noch „übersensibel“. Und vor allem: du bist nicht allein.

Was genau macht die Endometriose mit Körper und Seele und wie können wir Beschwerden lindern?

Endometriose nennt man versprengte Zellen der Gebärmutterschleimhaut im Unterleib. Diese Zellen bluten also außerhalb der Gebärmutter während der Menstruation. Sie sind chronisch entzündete Herde, die meist für heftige Schmerzen während und auch jenseits der Regelblutung sorgen.

Es gibt drei verschiedene Arten von Endometriose. Die ovarille, die oberflächliche und die tief infiltrierende. Die infiltrierende betrifft auch benachbarte Gewebe und kann sogar zu Organschäden im Unterleib führen. Blase und Darm können hier beeinträchtigt sein. (ENZIAN Klassifikation)

Endometriose betrifft hauptsächlich Frauen zwischen 26 und 45 Jahren. Obwohl jährlich ungefähr 40.000 Frauen an Endometriose erkranken, werden viele Frauen trotz heftiger Schmerzen weiterhin nicht ernst genommen. Im der Regel dauert es einige Jahre, bis eine Endometriose-Erkrankung richtig diagnostiziert wird.

Vor allem die psychische Belastung ist aufgrund der Schmerzen enorm. In der westlichen wie östlichen Medizin gilt Endometriose als nicht heilbar. In Deutschland wird Endometriose meist mit operativer Entfernung und der Pille im langen Zyklus begegnet. (Mehr über alternative Unterstützungen erfährst du weiter unten im Text.)

Mögliche Anzeichen von Endometriose sind

  • Hauptmerkmal sind heftige Regelblutungen und vor allem Schmerzen
  • Unterleibsschmerzen jenseits der Regelblutungen
  • Bauchschmerzen, die im Darm oder unter der Bauchdecke sitzen
  • Bildung von Zysten
  • Blutungen aus dem Darm
  • Schmerzen beim Sex
  • Unfruchtbarkeit
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Endometrioseherde können überall im Unterleib auftreten.

Meine Diagnose: vom Krebs zur Endometriose

Als ich 2009 nach einem Jahr Indien, in Frankfurt angekommen, bei einer Gynäkologin auf dem Stuhl sitze, sehe ich – noch heute vor meinem inneren Auge – ihr Gesicht entgleisen. Kurz darauf verkündet sie mir, ich hätte wahrscheinlich Eierstock-Krebs und sollte in Berlin sofort meine Gynäkologin aufsuchen.

Im Wartezimmer sitzt mein Freund mit unserem zweieinhalb Jahre alten Sohn. Meine heftigen Unterleibsschmerzen hatten in Indien begonnen und dank ratloser Ärzte zu Antibiotika-Vergabe und einer überflüssigen Blinddarm-OP geführt. Ich war so verzweifelt, dass ich sofort nach der Ankunft in Deutschland in diese Praxis ging.

Angekommen in Berlin, gab meine Frauenärztin vorläufige Entwarnung. Wahrscheinlich kein Krebs, aber die Zyste, die im Eierstock zu sehen sei, könne jederzeit platzen und mich in eine bedrohliche Situation bringen.

Erst die vierte Ärztin konnte mir mit einem speziellen Ultraschall vergewissern, dass es sich bei meiner Zyste um eine sogenannte „Schokoladenzyste“ handle, die zwar schmerzhaft und Ausdruck einer Endometrioseerkrankung sei, aber kein Krebs bedeuten würde.

Da ich gerade eine Blinddarm-Entfernung hinter mir hatte, versuchte ich eine weitere Laparoskopie aufzuschieben. Ein Jahr später lies ich meine Zyste wegen meiner Schmerzen operativ entfernen.

Die erste Reaktion: schulmedizinische Behandlung bei Endometriose

Ich war sehr verängstigt durch die vorangegangenen Horrorszenarien. Trotz der Entfernung der Zyste litt ich weiterhin an starken Schmerzen. Schließlich nahm ich die klassische schulmedizinische Behandlungsform bei Endometriose an: Pille im langen Zyklus, das heißt, über 3 Monate hinweg nehmen, dann einmal bluten und wieder die Pille über 3 Monate nehmen.

Ich fühlte mich schrecklich, nicht mehr ich selbst. Bis dahin hatte ich nie Hormone zu mir genommen und jetzt wurde durch den verlängerten Zyklus alles auf den Kopf gestellt. Die Schmerzen waren trotz Entfernung der Zyste immer noch da und ich lief zu allen möglichen Ärzten oder gleich ins Krankenhaus.

Schlimmer, als die Schmerzen, war die Angst vor den Schmerzen.

Inzwischen weiss ich: es befindet sich versprengtes Gewebe in meinem Unterleib, das zyklisch bedingt hin und wieder für Schmerzen sorgt. Vor allem zu Beginn der Regelblutung und nachdem sie abgeklungen ist, gibt es immer noch Schmerz-Momente – wenn auch ihre Dauer und Intensität bedeutend verringert sind.

„The body knows…“

Mit der Zeit begann sich mein Körper mehr und mehr gegen die Pille im langen Zyklus zu wehren. Ich fühlte mich überhitzt und aggressiv, es traten immer häufiger Zwischenblutungen auf. Bei einer Sauerstoffmessung wurde deutlich, dass ich so viel Sauerstoff im Blut hatte, als würde ich andauernd hyperventilieren. Entgegen der Empfehlungen meiner Ärztin setzte ich die Pille ab und meine Hitze-Syptome verschwanden allmählich.

Endlich traute ich mich, mir Fragen zu stellen: was ist gut für mich und was will ich wirklich? Ich ging zur einer Heilpraktikerin und lies mir ein Konstitutionsmittel für Endometriose geben, suchte eine Ayurveda-Praxis auf und machte über 2 Monate eine ayurvedische Kur zur Ausleitung der zugeführten Hormone. Meine Regelblutung normalisierte sich. Die Schmerzen wurden weniger.

Mit Endometriose unterstützend ernähren

Eine Endometrioseerkrankung bedeutet eine immunologische Überreizung des Systems. In der Ayurveda gehen wir von einer geminderten Verdauungskraft aus und von einer übermäßigen Anhäufung von Kapha und Pitta (Hitze).

Vor allem Stress und ungünstige Nahrungsmittel können Schmerzen verstärken und sich negativ auf die chronischen Entzündungen auswirken.

Allgemein sollten Nahrungsmittel, die sehr schwer verdaulich sind, sehr sauer auf den Körper wirken und/ oder entzündliche Prozesse fördern, vermieden werden. Vor allem die glutenfreie Ernährung spielt bei Frauen mit Endometriose eine ganz bedeutende Rolle.

Ich hatte bereits ein Jahr vor dem Absetzen der Pille wegen meiner autoimmun bedingten Zöliakie (Glutenunverträglichkeit) meine Ernährung vollkommen umgestellt. Ich fühlte mich allgemein wohler, leichter durch meine ayurvedische Ernährung – auch die Schmerzen wurden bedeutend weniger. Heute weiss ich, dass dies auch meinem Verzicht auf glutenhaltiges Getreide zu verdanken ist.

Studien besagen, dass an Endometriose erkrankte Frauen, die in ihrer Ernährung Weizen vermeiden, weniger oder sogar gar keine Unterleibsschmerzen erleiden.¹

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Pseudo-Getreide, wie Hirse, Reis und Quinoa nutzen.

5 wichtige Ernährungs-Regeln bei Endometriose

  • Auf Gluten verzichten.
  • Sauer wirkende Nahrungsmittel, wie Zucker, Kaffee, Quark, Soja, Essig, Fruchtsäfte und Fleisch reduzieren.
  • Hochwertige Öle mit Omega 3 & 6 Fettsäuren nutzen.
  • Auf Magnesium- und Eisenzufuhr achten.
  • Klassische Frauenmittel, wie Yamswurzel, Frauenmantel und Schafgarbe nutzen.

Mit der Ayurveda Syptome mildern

In dem Heilsystem Ayurveda empfiehlt sich eine Ausleitung des erhöhten Dosas (Kapha und Pitta) durch eine Panchakarma-Kur, sowie eine konsequente Nahrungsmittelumstellung, der Verzicht auf Gluten, spezielle Ayurveda-Kräutervergabe und die Übernahme von Massagen und Entspannungsritualen im Alltag. Eine Heilung ist auch hier nicht möglich, dennoch eine erhebliche Linderung der Symptome.

Zu Hause kannst du deine Entgiftung mit Brennesseltee unterstützen und dir von deiner HeilpraktikerIn eine Tee-Mischung aus Mönchspfeffer, Mariendistel, Ringelblume, Löwenzahn, Mistel und Frauenmantel zusammenstellen lassen.

Mit Endometriose leben lernen

Auf dem vergangenen Ayurveda Kongress in Koblenz, habe ich die Ayurveda-Frauenspezialistin Dr. Vinod Verma gefragt, warum die Vergabe der spezifischen Ayurveda Kräuter bei Endometriose im Westen kaum nachhaltige Linderung bringt. Daraufhin antwortete sie:

„Es geht nicht nur um die Kräuter, sondern auch um den Lebensstil. Bei Endometriose muss sich die gesamte Lebenseinstellung ändern, um Heilung zu erzielen.“

Wir müssen uns die Endometrioseherde im Körper wie innere Wunden vorstellen. Das heißt, dass nicht nur unsere Seele wegen der Schmerzen mehr Kraft für Balance aufbringen muss, sondern auch unser Körper, beziehungsweise unser Immunsystem.

Stress zu minimieren, ist der erste wichtige Schritt, um entzündliche Prozesse und Schmerzen zu lindern und unserem Körper und unserer Seele Kraft zu schenken. Ruhepausen sind ebenso elementar, wie destruktive Verhaltensweisen (zum Beispiel „People-Pleaser“) zu erkennen – und liebevoll aufzulösen.

Regelmäßige Massagen mit wärmenden und harmonisierenden Ölen schenken dem Körper Entspannung und Liebe und lösen Verkrampfungen, die durch Schmerzen entstanden sind. Auch Akupunkturbehandlung kann in der Schmerztherapie unterstützen. Yoga-Asanas, wie Supta Badda Konasana entspannen den Unterleib, beruhigen das Nervensystem und fördern eine reinigende Durchblutung.

Wichtig finde ich persönlich auch, von Tampons auf Biobinden oder Stoffbinden umzusteigen.

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Badda Konasana eignet sich zur Entspannung und Schmerzlinderung bei Unterleibsschmerzen allgemein.

Aus der Ohnmacht in die Kraft, von der Vermeidung in den Dialog

Die Schmerzattacken geben vielen Frauen das Gefühl von Ohnmacht. Sie werden oder fühlen sich nicht ernst genommen und werden mit ihren Schmerzen, die oft wie Phantomschmerzen daher kommen, meist allein gelassen.

Daher ist es besonders wichtig, einen positiven Umgang mit der Krankheit zu entwickeln. Liebevoller Umgang mit sich selbst und wache, wie entspannte Aufmerksamkeit gegenüber den Prozessen, die im Unterleib vor sich gehen, tragen dazu bei, generelle Anspannungen im Unterleib zu lösen.

Sehr viel, was in unserem Unterleib vor sich geht, spiegelt unseren Lebensstil und unsere Einstellung gegenüber uns selbst. Letztlich gibt die Endometriose uns Frauen auf – zugegeben auf zunächst unsanfte Weise – uns mehr mit unserem Unterleib zu verbinden.

Meine persönliche Gebärmutterarbeit und Frauenkreise haben mir sehr dabei geholfen, mich von meinen Ängsten zu lösen und eine liebevolle Verbindung zu meiner Gebärmutter zu entwickeln.

Das solltest du auch noch wissen: es gibt verschiedene Grade von Endometriose-Erkrankungen. Dieser Bericht spiegelt meine Erfahrungen mit Endometriose wieder. Vielleicht empfiehlt es sich für dich, ein Schmerzzentrum aufzusuchen. Ob du die Pille absetzt, ist ganz allein deine Entscheidung und hängt von deiner Erkrankung ab. Auf jeden Fall solltest du dich auf eine Östrogendominanz testen lassen.

Ich hoffe, dass dieser Text dir Mut gibt, dich anderen Frauen gegenüber zu öffnen und deine Endometriose-Erkrankung in die Hand zu nehmen und vielleicht auch, deine Ernährung erfolgreich umzustellen.

Deine Julia

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© Graphic: Apotheken Umschau.