Diagnose Depression

Wege aus der Depression – Dunkelheit in Liebe tauchen

Es gibt unendlich viele Formen von depressiven Erkrankungen – jede ist individuell und einzigartig. Ich selbst habe drei verschiedene Variationen erlebt. Ich schreibe hier über meine letzte Dunkelheit, die insgesamt über zwei Jahre andauerte und im Herbst 2017 – infolge einer langen Abwärtsspirale – ihren Höhepunkt erreichte: mit der Diagnose „schwere Depression“.

Warum ich diese Geschichte erzähle, hat viele Gründe. Ich spüre, dass es Zeit ist, zu teilen, wo ich herkomme und dass es Zeit ist, mir mein „menschlich sein vor dir“ noch mehr zu erlauben. Und ich mag teilen, um zu zeigen, dass es sich niemals lohnt, Schein aufrecht zuerhalten. Klar, er soll uns schützen, der Schein, so haben wir es ja gelernt. Doch der Schein ist es, der unsere Seele von uns abtrennt, der Lebensfreude verebben lässt und sich zu einem riesigen Felsen formt, der eines Tages auf dir liegt und dich nicht mehr aufstehen lässt. Weil der Schein, die Maske, die Scham, die „Schuld“ dich erdrücken und dir ein Leben in Ganzheit verwehren. Ja, und warum erst jetzt? Ganz einfach: tief empfundene Scham. Als Frau, die sich über ihre Arbeit mit Ayurveda und Frauen definiert, die immer alles zusammenhält, die stark ist, Steinbock. Was konnte mir – so empfand ich es – Schlimmeres passieren, als das: der Beweis, dass „ich mich und mein Leben nicht im Griff hatte“?

Ich teile auch, um dich zu ermutigen und zu inspirieren. Ich mag dir sagen: alles ist möglich. Ganzheit zu erfahren ist möglich. In diesem Leben. Hier – in deinem Leben

Winter 2017/18

Ich liege auf dem Sofa und ertrinke. Jeden Morgen wache ich auf und lausche. Ist es noch da? Das „Gefühl“? Ja, das Nicht-Gefühl – es ist noch da. Das Nicht-Gefühl ist nichts, denn ein Sog. Ein Sog in die Erde. Unter die Erde. Es gibt keine Variationen. Nichts anderes, als das Nicht-Gefühl. Ich bin 10 Zentimeter unter der Wasseroberfläche eines Sees. Alles ist milchig. Meine Augen können nicht mehr richtig sehen. Ich sage zu der Ärztin: ich kann nicht mehr sehen. Jemand spricht mit mir, ich vergesse zu antworten. Ich fahre U-Bahn und vergesse wohin. Ich vergesse, wo ich wohne. Ich bin diese 10 Zentimeter unter der Oberfläche des Sees. Seit Wochen schon.

Ich bin gefangen. In meinem persönlichen Alptraum.

Über der Oberfläche, da scheint die Sonne. Am Ufer sitzen „die Anderen“, aber ich kann nicht zu ihnen. Der Sog, er zieht mich, einem immer währenden Strudel gleich immer wieder fort von ihnen. Ich kämpfe. Ich kann nicht aufhören zu kämpfen. Ich habe Angst, Angst vor dem Sog, der Stille, dem Sterben. Während ich ertrinke, besuchen mich die Toten. Meine Lieblings-Großmutter. Mein Onkel. Christoph, ein Freund. Sie sitzen am Sofarand. Wir weinen, wir schweigen zusammen.

Ursachen für Depression

In der Ayurveda wird Krankheit auch als prajnaparada bezeichnet. Prajnaparada ist das Handeln gegen die Intuition, gegen die eigenen Bedürfnisse, gegen das eigene Wissen – sprich gegen die eigene Natur – den Seelenplan. Hier ist die Ursache für Depression eine Blockade in chitta nadi, dem Kanal des Bewußtseins. Ist dieser „verstopft“, ist die Verbindung zwischen Körper und Seele unterbrochen, wir werden unglücklich, lethargisch, krank. Unsere Aufgabe ist es, alte Speicherungen und Anhaftungen (samskaras) zu lösen, um Lebenssenergie wieder zum Fließen zu bringen, die Verbindung zwischen beiden wieder herzustellen und Licht in den Körper fließen zu lassen. In der Ayurveda spielt Acharya Rasayan, die Verhaltenstherapie eine wichtige Rolle, um aus dem Zustand der Lähmung (tamas) wieder ins Leben treten zu können.

Fakt ist, eine Depression hat immer viele Ursachen und sie fällt nicht vom Himmel. Sie kündigt sich an. Meist leise. Schlafstörungen, Erschöpfung, Schilddrüsenprobleme (wobei es nicht darum geht, hier nur die Hormone zu nehmen, sondern die Symbolik/ Ursache der Erkrankung tiefer zu verstehen). Ihre Wurzeln greifen tief bis in die Zellen hinein und noch weiter, in die Ahninnenlinie und – wenn du so willst – bis in frühere Leben.

Whatever the issue, it seems as if we spend the first half of our lives shutting down feelings to stop the hurt, and the second half trying to open everything back up to heal the hurt.“

Brené Brown

Ich sehe Depressionen inzwischen als eine ganz natürliche und nicht zuletzt logische Reaktion des Nervensystems auf den Umgang mit Erfahrungen/ Erlebnissen in unserer heutigen Zeit.

Wen betrifft Burn-Out, Erschöpfung, Depression?

Oft sind dies Menschen, die von klein auf gelernt haben, ihre Empfindungen zu verbergen. Sie haben früh gelernt, dass es gefährlich ist, Emotionen zu zeigen, dass sie nur Liebe, Anerkennung und „Nahrung“ bekommen, wenn sie sich auf bestimmte Art und Weise verhalten. Diese erlernte Überanpassung an das Umfeld bewirkt, dass Menschen den Zugang zu den eigenen Bedürfnissen verlieren. Permanent aus dem eigenen System „auszusteigen“ um beim Gegenüber zu sein, ist Stress pur und führt irgendwann zu Überforderung und Erschöpfung.

(Das Gefühl, niemals okay, genügend oder gut zu sein, kann sich durch das Stigma „Diagnose Depression“ noch verstärkt werden.)

Taubheit ist ein aktiver Vorgang

Taubheit ist eine alte Überlebensstrategie deines Systems, um dich zu schützen. Sie ist ein aktiver Vorgang. Diese Erkenntnis hat mir sehr viel Heilung gebracht. Die Taubheit ist nicht die Betonplatte, die auf uns liegt und wir können nichts tun. Vielmehr können wir dieser Taubheit bewußt begegnen. Wir können sie befragen, warum sie da ist. Wir können in der Meditation diesem Gefühl den Raum geben, den es braucht – und merken dann meist, dass Taubheit andere Emotionen verdeckt hält. Meistens tiefen Schmerz oder alte Wut. Je mehr wir mit der Taubheit in Kontakt treten, um so mehr kommt unsere Wut wieder ins Fließen. Und unsere Wut ist ein essentieller Motor für Bewegung, Grenzziehungen und Veränderung.

Die Depression ist schlussendlich die Reaktion des gesamten Systems, eine Folge aus dem Wegdrücken der eigenen Gefühle, wenn nicht des eigenen Wesens – sprich: der Anteile, die sich nie zeigen durften und deren Ablehnung wir so sehr internalisiert haben und dann im Erwachsenenalter weiter führen, bis wir – zum Beispiel ausgelöst durch eine Krise – uns dieses Krieges gegen uns selbst bewußt werden.

Auf einmal wird uns klar, wir befinden uns in mitten eines Trümmerfelds. Die Masken wollen nicht mehr sitzen, die Floskeln kommen nicht mehr über unsere Lippen. Wut, tiefe Trauer oder beklemmende Lähmung – oder all das gleichzeitig – überfluten uns.

Dies ist der Moment unserer individuellen Auferstehung

Im Kern bin ich Licht, im Kern bist du Licht

Winter 2017/18. In mir ist ein Licht. Ich weiß nichts mehr, doch ich weiß, dass dieses Licht da ist und dass es Hoffnung gibt. Ich vergesse das Licht und erinnere mich. Ich vergesse es und erinnere mich. Ich liege unter der Wasseroberfläche, die dicht ist, wie Eis und immer wieder erinnere ich mich an meinen Kern, das Licht in mir. In der Hypnosetherapie kommt ein Hirsch zu mir. Er ist bereit, mit mir durch die Wüste zu gehen. Mit ihm gehe ich durch die Wüste, ich gebe mich hin. Ich wache auf und höre Pema Chödrön. Pema ist mein Hirsch in der Wüste. Pema spricht zu mir auf dem Sofa, in der Badewanne, zum Einschlafen. Sie ist die einzige, die ich in meiner Taubheit aushalten kann. Ihr Stimme führt mich. Ich taste mich vorwärts. Sie ist mein Licht – im Dunkel.

_Monate später Sansibar

Wir sind in einem Haus am Meer. Es ist Off-Season, der Strand leergefegt. Ebbe und Flut, sie sind so wunderbar zu sehen. Es gibt nichts zu tun, als abzuwarten. Glasklares Blau am Himmel. Ich bin immer noch tot. Aber auch schon wieder ein bißchen lebendig.

_Monate später Havelhöhe

Ich bin aufgewacht. 3 Monate Warteliste sind vorrüber. Ich bin dran. Station im Anthroprosophischen Krankenhaus Havelhöhe. Der Alptraum ist vorbei. Ich bin roh. Wie alt und neu gleichzeitig. Alles ist langsam. Die Taubheit ist noch da, aber ich kann wieder sehen. Der Sog ist verschwunden. Wir wischen Kreide. Gesiebte Kreide in allen Farben. Ich wische Kreise mit Licht in der Mitte und festem, kompakten Kern. Ich kann atmen. Ich wische Kreise, die nach außen hin in die Öffnung gehen. Ich bekomme keine Luft. In dieser so einfachen Handlung wird mir klar: ich habe keinen Halt. Ich habe alles gegeben von mir. Um die Partnerschaft zu erhalten, die Familie zusammenzuhalten, mein Business „groß“ zu machen. Jedes Staubkorn Kreide ins Aussen verweht, erschüttert alles.

Die Kunst ist nicht, loszulassen, sondern dich halten zu lernen und dich einzulassen – auf dich

_Monate später Kreuzberg

Ich verlasse die Familienwohnung. Noch einmal bricht alles zusammen. Doch diesmal bricht es, um Neu zu werden. Ich weiß noch nicht wie, doch spüre ich es tief in meinem Inneren.

_2022 auf Corfu

„Julia, deine Seele ist nicht bis in die Füße in deinem Körper angekommen“, sagt Karin Nikbakht zu mir. Ja, ich weiß genau, was sie meint – sie findet die Worte für das, was ich fühlen kann: dass bestimmte Teile meines Körpers – nach all den Jahren der „Arbeit“/ Theapie – sich weiterhin abgetrennt anfühlen, von mir. (Mögliche Folgen von emotionalem/ narzistischem und körperlichem Missbrauch). Und ich atme mich zurück, durch die übrig gebliebenen Muster von „ich kann nicht“ und „ich darf nicht“ bis in die letzten Fasern meines Unterleibs, tief in meine Füße hinein. Emotionale Fetzen, Momentaufnahmen, Ur-Angst, Traumata, Unterleibsspeicherungen lösen sich aus meinen Zellen. Der Shift geht durch mein ganzes System. Seit 2 Jahren kommt meine Seele wieder zurück, doch kein Moment ist so tief, so bahnbrechend, wie dieser.

Mein Stand. Mein Zentrum. Meine Erdung – sie gehören mir.

„Trauma is not what happens to you, but what happens inside of you. And that’s the good thing. Trauma is the disconnection from the authentic self – that can be restored…“

Gabor Maté

Dein Notfallkoffer: wie du in einer Krise gut für dich sorgen kannst

Du bist selbst betroffen oder ein Mensch in deriner Umgebung? Der allererste Schritt, den du in (d)einer Krise tun darfst, ist Unterstützung einzuholen. Du darfst – musst sogar – Menschen darum bitten, ein Support-Team für dich zusammenzustellen. Dafür brauchst du Menschen, denen du wirklich vertrauen kannst. Vor allem, wenn du aus einer dysfunktionalen Familie/ Beziehung kommst. Dies ist wichtig, um das Gefühl der Isolation zu durchbrechen. Eine Depression zu heilen ist Arbeit, sie braucht Commitment und Unterstützung. Sie erfordert alles von dir. Zeit, Geduld, Liebe, Finanzen, Mut – all das samt der Qualität des Aushaltens, der Annahme. Dies soll dich nicht entmutigen, vielmehr ermutigen: du darfst alles geben, alles nutzen, was dir zur Verfügung steht. Es ist dein Leben, welches du ab jetzt für dich gestalten darfst.

  • Wer unterstützt dich bei organisiatorischen Aufgaben, wie Haushalt, Arztbesuch, Kinderbetreuung?
  • Wer ist wann erreichbar, wenn destruktive Gedanken in dir aufkommen?
  • Wer kann dir ab und an ein warmes Essen kochen?
  • Wer formuliert mit dir eine Minimalistische To-Do-Liste – mit Routine ohne Druck, die wirklich gut tut? Schlafroutine, Morgenroutine etc.
  • Wer geht mit dir Spazieren? Gibt dir eine Massage? Bringt dich zu deiner Therapie?
  • Wer gestaltet mit dir einen „Plan“ für alternative Heilmethoden, die dir und deinem Wesen entsprechen?
  • Wer ist einfach da, ohne etwas zu wollen und zu fordern?

„Sweetheart, du musst nicht alles geben von dir“ – was mir wirklich geholfen hat

Manchmal, wenn ich zurück spüre, zu der Frau auf dem Sofa, die so verzweifelt war und eigentlich nur ein normales Leben führen wollte, die „ganz normal“ Mutter sein und ihrem Soulbusiness folgen wollte und ich dann auf mich jetzt blicke – kommt diese Frage: was hat mich „gerettet“? Ich habe mich selbst gerettet. Das ist die Wahrheit. Ich habe mich entschieden, zu bleiben. Ich habe alles gegeben. Nachdem ich von Ärzten und Therapeutinnen gehört habe: „Das bleibt jetzt so. Julia, das ist chronisch, damit musst du dich abfinden.“ „Ich kann Ihnen leider nicht mehr weiterhelfen“ – wusste ich: das ist nicht die Wahrheit. Das ist nicht meine Wahrheit. Ein anderes Leben ist möglich! Und natürlich erhebe ich mit dieser Liste keinen Anspruch als „medizinische Wirksamkeit“ oder Allgemeingültigkeit.

  • Pema Chödrön
  • Austritt aus der toxischen Beziehung
  • Heilung der Mutter- und Vaterwunde
  • Mein Kampf, mein Willen und mein Mut und schließlich: mein nicht mehr Kämpfen, mein Dasein, mit mir
  • Ich tobte mich aus und frei im KINK
  • Traumatherapie (nach einer Psychosomatischen Therapie und einer Verhaltenstherapie, die beide nichts gebracht haben)
  • volle Verantwortung für „mein Leiden“ zu übernehmen
  • Arbeitsrhythmus nach meinem Nervensystem, so gestaltet, dass meine Arbeit mir dient (Projector Leben)
  • Meditationen ohne Ende mit Tara Brach
  • Embodyment ohne Ende
  • Ayurveda Ernährung, Heilkräuter und TCM
  • Kambô: das Froschgift beseitigt – mit Ayurveda-Termini gesprochen – Kapha aund Tamas aus dem Körper und öffnet Raum für neue Perspektiven
  • Selbstregulation/ Nervensystem: immer wieder und tiefer rein in den Körper
  • Schritt für Schritt Grenzen spüren, setzen, halten lernen
  • Tanzen
  • Vedische Astrologie
  • Ein Geschenk an wundervollen Freundinnen und Wegbegleiterinnen
  • Practicing: loving kindness & presence
  • Mit „Rückschlägen“ klarzukommen und sie als essentiellen Teil in der Heilung zu verstehen, weil Heilung nicht linear verläuft und vor allem niemals unter/ mit Druck geschieht
  • Mich tiefer mit meiner Seele zu verbinden und sie bewußt immer wieder einzuladen, Kontrolle durch Vertrauen heilen und der Seele so mehr Platz zu machen ~

Ein wichtiger Punkt war auch die Erkenntnis, dass ich mir die Depression selbst kreiert habe, weil ich mein Leben radikal ändern und mich aus der Beziehung lösen musste, die so schädlich war. Dies heißt nicht, dass ich oder du „Schuld tragen“ an den Ursachen, die zu so einer Erkrankung führen können. Vielmehr dass, dass es darum geht, dass diese Erkrankungen, Depressionen, Schilddrüsenprobleme etc. aus gutem Grund passieren, dass wir sie unterbewußt kreieren, um uns selbst aufzuwecken. In dieser Erkenntnis liegt auch die Möglichkeit, die Depression als Chance zu sehen, für einen Neuanfang.

Wiedergeburt – Liebe & Licht in deinen Schatten führen, Urvertrauen nachnähren, Neu ausrichten

Und wenn du dies liest und dich wiederfindest, dann weiß ich, du kämpfst. Vielleicht hin und wieder. Vielleicht auch jeden Tag, um jeden Millimeter, der das Licht zurück bringt zu dir. Und du kämpfst so lange, bis du wieder am Rand des Kraters stehst und hinabblickst in das schwarze Loch, aus dem du gekommen bist. Und du willst einfach nur weg. Weg von dieser Dunkelheit, die jedes Vertrauen in dich und in deinen Körper erschüttert hat.

Was, wenn es nicht darum geht, dich umzudrehen, weg vom Krater?

Was ist, wenn es jetzt darum geht, den Kampf ruhen zu lassen? Dich gut zu versorgen und dich ganz langsam abzuseilen, hinein. Und auszuleuchten, die dunklen Ecken und Stellen in deinem Inneren und immer wieder aufzuatmen, emporzublicken in das Licht, dein Licht. Was ist, wenn jeder Zentimeter des dich Abseiles ein Schritt zurück ist – zu dir?

„As you move through these changing times, be easy on yourself and be easy on one another. You are the beginning of something new. You are learning a new way of being.“

Council of Thirteen Indigenious Grandmothers

Nimm alles zu dir!

Wir verlassen uns, werden taub, weil es nicht anders geht, weil das alte Leben und Verstecken und Halten wollen nicht mehr geht. Wir verlassen uns, um uns vollkommen NEU zu gebären. Wenn wir den Mut haben, uns immer wieder abzuseilen und jeden Zentimeter Wunde liebevoll zu versorgen, die Schichten und Krusten abzustreifen, mit unserem inneren Licht zu durchleuchten, die dunkle Steinhöhle zu erkunden – und dazubleiben. Wenn die Angst bis zum Hals schlägt und das Herz stolpert, weil sich der Anteil meldet, der nicht da sein will. Der Angst hat, vor dem Leben, vor Begegegnung und Verbindung und vor allem vor Intimität – mit dir selbst. Dich dir selbst zu zeigen und dann Schritt für Schritt der Welt, mit dem Leben verschmelzen.

Die Zeit des Phoenix

Ich weiß nicht, wann genau auf meinem Weg sich die Geduld einstellt hat. Seit 2,5 Jahren kann ich spüren, dass die Erschütterung durch meine Erkrankung – ja, eine Depression selbst kann in unserer Gesellschaft eine traumatische Erfahrung sein – einen Sinn hat(te). Nicht nur für mich selbst, sondern auch für andere. Auch das ist Heilung.

„Julia, your Astrochart is designed for a lot of trauma and pain“, sagt der südindische Astrologe. “ – „Julia, your birthchart is heavy – but you are a Phoenix“, sagt die amerikanische Astrologin. „Julia, you are a Phoenix, you are here for deep healing and transformation – for yourself and for humanity. You are here to be in service“, sagt die psychologische Astrologin.

Und ich weiß, dass ich auf dem Weg meiner Bestimmung bin. Dass ich Räume für jetzt Heilung tiefer öffne und geschützt und sicher halten kann. Weil mein Spüren so Groß ist und meine Heilung und meine Liebe ebenso. Dass ich hier bin, ist ein Wunder. Dass du hier bist, ist ein Wunder. Den Schein aufrecht zu halten lohnt sich niemals. Er verlängert das „Leiden“, verkürzt in Wahrheit unser Leben. Transformation kann nur nachhaltig aus unserem Zentrum heraus stattfinden; dies bedeutet, dass wir ehrlich anerkennen, wo wir wirklich stehen und was aktuell geschieht. Präsenz heilt. Einlassen heilt. Wir selbst sein heilt – mit all seinen Herausforderungen.

Es lohnt sich so, mutig zu sein. Schritt für Schritt in die Öffnung zu gehen. Alles zu dir zurückzuholen in dein Herz, welches immer weiter wird, je tiefer du dich vorwagst. Und das ist nicht immer angenehm. Manchmal sogar verdammt unangenehm. Und es geht hier nicht um Perfektion. Sondern uns zu halten, mit allem, was gerade da ist. Und ja, du kannst das, du kannst dich halten. Vergiss nicht, dass du risengroß bist. Dass du nicht alleine bist. Dass wir gemeinsam gehen. Für dich. Für mich. Für uns. Und dass wir größer sind, als das. Als das Loch, als der alte Schmerz, als die Taubheit – und dass wir hier sind, um unsere Körper vollständig zu bewohnen. Um wirklich dazusein. Und von hier aus zu wirken.

Dazubleiben. Präsent zu sein. Atmen. ALLES zu uns nehmen. ALLES erlauben. ALLES fühlen. ALLES lieben, was da ist. Uns selbst und dem Leben (wieder) vertrauen zu lernen. Uns zu halten. Uns auszurichten, loszugehen und NEU zu gestalten, was wir uns erträumen. Ja, wieder zu Träumen und unser Leben mehr und mehr zu leben.

Dies ist meine ganz persönliche Erfahrung. Mein kurzer Einblick von der Dunkelheit in die Präsenz. Danke, dass du mich liest. Ich freue mich sehr, wenn du deine Gedanken oder auch Empfehlungen für betroffene Menschen unten in den Kommentaren teilst.

Mit Demut und Dankbarkeit für das Leben, dass mir noch einmal neu geschenkt wurde.

With Love,

Julia

Hier kannst du Unterstützung finden

Deutsche DepressionshilfeDepression begegnen
Vermittlungsplattfrom the helpnet„Gleichgesinnte“ finden
Literatur: „Depression und Burn-out überwinden“ von Dr. Sabine Gapp-BaußLiteratur: „Die 3 Quellen echten Lebensglücks“ von Dami Charf
„Waking the Tiger – Healing Trauma“ von Peter Levine„Befreiung von Schuld und Scham“ von Laurence Heller und Angelika Doerne
„The Way of Rest“ von Jeff Foster„Medicine Woman“ von Lucy H. Pearce

Und ich begleite dich…

intuitiv. Nein, ich bin keine Therapeutin und keine Medizinerin. Ich habe in diesem Jahr fast 100 Frauen im 1:1 begleitet und bei vielen von ihnen hat sich ihr Leben tiefgreifend verändert. Mehr zu meinen Angeboten findest du hier.

Pema Chödrön

Webseite

Tara Brach

Webseite

Alle Bilder von Laura Hirch aus dem Film womenbodiment, aufgenommen im rolling tiger.studio

2 Antworten zu “Diagnose Depression”

  1. Danke liebe Julia für deinen Mut und deinen heilsamen Text. Ich habe mich in so vielem wiedergefunden. Du hast die Gefühle die da sind, so in Worte gefasst wie es sich auch in mir anfühlt. Ich danke dir von Herzen, du hast mich tief berührt. Ich wünsche dir, mir und uns allen viel Kraft auf unserem Weg. Alles Liebe für dich.

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