Über Haare, Löcher im Bart und den Abfall im Ayurveda

Abfallprodukte im Ayurveda, was sie sind und warum sie so viel über uns aussagen.

Der Winter liegt fast hinter uns. Unser Körper und auch unser Geist sehnen sich danach, altes und schwer gewordenes abzustreifen und sich von tief innen heraus zu erneuern und „aufzufrischen“.

Zeit also, sich den Abfallstoffen zu widmen, die uns als Spiegel möglicher Blockaden dienen. Blockaden, die unseren Stoffwechsel verlangsamen, das Immunsystem schwächen und zu Trägheit führen. Blockaden, die, wenn gut erkannt, in einer Frühingskur wunderbar beseitigt werden können. Heute geht es aber nicht um Detox, sondern ein anderes Verständnis von Abfallstoffen. Also Abfallstoffe, die keine „Schlacken“ sind…

Mala, der Abfall

Malsas nennt man im Ayurveda die körpereigenen Abfallprodukte. Und warum wir im Ayurveda so verrückt nach Abfallprodukten sind, hat viele gute Gründe.

In der Ayurveda-Anamnese dreht sich vieles rund um die Malas, die körpereigenen Abfallprodukte. Und Abfall meint hier nicht nur Urin oder Stuhlgang, sondern vieles mehr.

Malas ist die Summe aller körpereigenen Absonderungen. Also sind Malas unser Stuhlgang, Urin, Nasenschleim und Auswurf. Auch Schweiß. Zum Beispiel erzählt seine Intensität und sein Geruch eine Menge über uns. Unsere Haare und Nägel gelten ebenso als Malas, sowie der Belag auf der Zunge am Morgen.

Spieglein für Löcher im Bart

Diese Malas sind prima, denn sie sagen uns: Hey, alles läuft rund! oder auch: Hier ist ein Stau, kannst Du Dich darum kümmern? Sie arbeiten sozusagen wie ein Spiegel. Denn all diese Malas verraten etwas über den momentanen Gesundheitszustand. Natürlich hängt der Zustand Deiner Malas auch von der Jahreszeit ab – und die genetische Disposition oder halt Dein Dosa-Typ spielen auch eine wichtge Rolle. Aber auch jenseits von Jahreszeit kann man selbst oder mit Hilfe einer Ayurveda-PraktikerIn erkennen, ob es im Körper zu einem Stau oder einer Blockade gekommen ist.

Es geht immer darum zu schauen: was war, was hat sich verändert und warum.

Verstehen, woher die gereizte Kopfhaut kommt, statt sie mit Hau-Drauf-Shampoo mundtot zu machen!

Disbalance im Körper?

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Haare, Mala-Spiegel Nummer Eins.

Blättern Deine Nägel einfach ab, sind Deine Haare voll-trocken oder hast Du Nachtschweiß oder Löcher im Bart? Verheimlichst Du Deine Schuppen lieber unter Mützen oder gibst Du im Winter Unsummen für Cremes aus, weil Deine Haut sonst juckt und brennt?

Zeigen sich in den Malas Auffälligkeiten oder Unregelmäßigkeiten, so ist davon auszugehen, dass der Körper in ein Ungleichgewicht geraten ist.

Ein erhöhtes Pitta oder Feuer (saama pitta) kann sich durch Hautprobleme oder brennenden Urin zeigen. Ein gereiztes Vata erkennt man an Blähungen, Verstopfung und schuppender Haut. Ein Überschuss an Kapha, wie im Endwinter üblich, zeigt sich durch Ansammlungen von Schleim in Form von Husten, Schnupfen oder schleimigen Ausscheidungen. Die verschiedenen Ausscheidungen oder Abfallstoffe geben also Aufschluss darüber, wo eine Blockade sitzen könnte – und wie sie zu lösen ist. Genau darum wollen wir in der Ayurveda-Anamnese alles über Deine Ausscheidungen erfahren!

Zum Beispiel Haare

Haare bestehen zum über neunzig Prozent aus Protein, der Rest ist Flüssigkeit. Wir haben viele tausend Haare allein auf unserem Kopf und ihre Beschaffenheit hat viel mit genetischer Disposition zu tun. Kommt es zu Veränderungen der Haare in Struktur und Dichte kann das am Alter liegen, an Hormonschwankungen, Ernährungsfehlern oder an Stress. All diese Faktoren stehen auch in Verbindung mit einer Dosa-Inbalance. Die Dosa-Inbalance, eben hervorgerufen durch Stress, Krankheit oder ähnliches, wirkt sich auf unsere Blutversorgung an der Kopfhaut aus und somit direkt auf die Haare. Was genau jetzt auf dem Kopf passiert, spiegelt die Art der Imbalance und zeigt so auch den möglichen Weg zur Heilung an. Perfekt.

Detox

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Saisonal, regional und frisch. Schon mal die halbe Miete für Deine Dosa-Balance.

Eine Veränderung der Malas weist immer auf eine Störung in der Dosa-Balance hin. Leichtere Disbalancen können wir mit Nahrungsmittelumstellungen und Kräutern ausgleichen. Auch Stressmanagement ist erfolgreiches und nachhaltiges Mittel, um Balancen wieder herzustellen.

Manchmal zeigt sich in einer Disbalance auch eine übermäßige Ansammlung von Ama, den „Giftstoffen und Blockaden“ im Körper. Diese sollten dann gezielt mit einer Kur ausgeleitet werden.

Wie genau so eine Kur aussehen kann, erfährst Du hier in den kommenden Wochen. Samt Detox-Einkaufsliste!

Bis dahin kannst du dich mit wunderbarem Ingwerwasser in Kombination mit Brennessel-Löwenzahn-Tee auf eine Kur vorbereiten.

Und natürlich dieses goldene Detox-Getränk nicht zu vergessen!

♥ rt

Mehr zum Thema Detox findest Du hier.


Kokos oder Ghee?

Mir gegenüber sitzt eine junge Mutter, ernährungsbewusste Veganerin. Sie hat den Ernährungsberatungs-Termin für ihren Sohn gemacht, welcher, obwohl schütter und chronisch krank, munter zwischen Steckdose und Massageliegenschalter hin und her turnt. Vor uns liegt sein Ernährungstagebuch der letzten Woche. Perfekt, denke ich. Nur zwei Kleinigkeiten, die ich ändern würde. Den hohen Sojamilchkonsum zurückschrauben und eher Ghee als Kokosfett verwenden. Klar, denkst Du jetzt. Die Ayurveden und ihr Ghee, reden immer von ahimsa (Gewaltlosigkeit) und können doch nie Vollblut-Veganer werden. Und ein bisschen Recht damit hast Du schon, aber…

amul ghee ayurveda essen rolling tiger copyright by julia wunderlich

Amul-Ghee. Ghee des indischen Firmengiganten Amul verspricht im Glitzer-Design Beweglichkeit, Vitalität – und eine Menge Blumen.

Wenn wir im Ayurveda Ghee, geklärte Butter, empfehlen, dann liegt das nicht nur in Ayurveda-Theorie begründet, sondern auch in der Erkenntnis eigener Erfahrungen.

Was bedeutet Ghee in der Ayurveda-Ernährung?

In der ältesten Ayurveda-Schrift von Charaka wird Ghee als „erstes Nahrungsmittel“ gelistet, neben Reis, Mungbohnen und Milch. Ghee gilt als sattvisch (beruhigend) und ist daher auch in der Yoga-Ernährung essentiell. Während in Nordindien Ghee als Basis für Gesundheit und als Therapiemittel schlechthin gesehen wird, wird in Südindien Kokosfett als Allheilmittel angesehen.

In den indisch-ayurvedischen Schriften begegnet uns immer wieder der Disput: Kokos oder Ghee? Woher kommen diese Differenzen? Regionale Verschiedenheit, klar. In Nordindien wachsen keine Kokospalmen. Dafür gab und gibt es genug Weideland für Kühe. Und: Kokosöl verfügt über schwere und kühlende Eigenschaften, ist als All-Rounder am besten im immer warmen Südindien anzuwenden. Nordindische Winter sind verdammt ungemütlich und kalt, da wirkt Ghee viel eher harmonisierend.

Die Ghee/ Kokos-Frage nutzen aber auch die Brahmanen des Nordens, um sich von den Südindern abzugrenzen, wenn nicht, um sich über sie zu erheben.

Und nun: Kokos oder Ghee?

Beide Fette sind sehr gut erhitzbar und werden bei längerer Bratzeit nicht toxisch. Kokos liegt wegen seiner Kühle eher schwer im Magen. Ghee hingegen ist hier mild. Beide Fette haben eine darmsanierende Wirkung und stärken so unser Immunsystem. Darüberhinaus reinigt Ghee den Darm und macht ihn geschmeidig, macht uns geschmeidig und steigert unser körperliches Wohlbefinden. Ghee hilft bei der Absorption von Nährstoffen, lässt Wirkstoffe von Heilpflanzen tiefer in uns dringen. In der Ayurveda-Kur bringt Ghee unsere Augen durch seine reinigende Kraft -wortwörtlich- zum Strahlen.

„Was ist für mich `gesünder´?“ Wie immer im Ayurveda, gibt es viele Antworten. Kokosöl eignet sich zum Kühlen, also in geringen Mengen im Sommer, bei Pitta-Überschuss und generell bei Pitta-Konstitution. Im Winter und bei Stresserkrankungen ist Kokosöl kontraindiziert. Ghee ist immer empfehlenswert, es sei denn, man hat erhöhte Cholesterinwerte.

Vegan oder tierisch? Muss jede/ r für sich entscheiden. Eltern, die ihre Kinder vegan ernähren, sollten beim Ghee ein Ausnahme machen, da Ghee eine stark aufbauende, stärkende, stabilisierende Wirkung hat. Ich spüre die oben beschriebenen Ghee-Vorzüge deutlich in mir und denke, dass Ghee eine goldene nicht-vegane Ausnahme sein darf. Moralisch vertretbar, wenn es in hoher Bio-Qualität, bewusst eingesetzt wird.

Rezept zum Ghee kochen aus Demeter-Butter.

Artikel über Gritha, mediziniertes Ghee im Ayurveda-Journal.