Ayurveda für Frauen

Gibt es eine Ayurveda für Frauen und wenn ja, was können wir von ihr lernen?

In den Ernährungsberatungen kommen überwiegend Frauen zu mir. Die meisten von ihnen fühlen sich unwohl, unzufrieden und erschöpft. Sie leiden unter so genannten Vata-Störungen. Das sind Krisen und Erkrankungen, die sich – laut Ayurveda – durch ein zuviel von Wind und Trockenheit entstehen.

Das macht durchaus Sinn. Denn Erde, der Inbegriff von Fruchtbarkeit und Stabilität, trocknet aus, durch Wind. Trockene Erde kann keine Boden für Wachstum und Stabilität gewären. Trockende Erde wird fortgetragen, vom Wind. Verliert sich.

Der Wind

kartoffelernte kartoffelacker ayurveda-ernaehrung ayurveda-kartoffeln makro-kosmos naehrung nourishmanet rolling-tiger copyright by julia-wunderlich

Viel Wind und Hitze (Stress) führt zu Trockenheit im Körper…

Vata-Stören begründen sich meist in ausgeprägtem, andauernden Stress. Die Symptome sind dann Erschöpfung, Schwierigkeiten bezüglich Menstruation, Ängste und Essstörungen. Irgendwann dann auch Schilddrüsenprobleme und Osteoporose.

Dass meist Frauen in die Beratungen kommen, lässt sich sicherlich mit unserer gesellschaftlichen Struktur erklären: Frauen dürfen (oder sollen sogar), was ihren Körper und ihre Seele anbelangt, ‚bedürftig‘ und ‚empfindsam‘ sein – im Gegensatz zu Männern.

Doch es gibt auch wissenschaftliche Studien, die besagen, dass das Gehirn einer Frau ’sensibler‘ auf Stress reagiert, als das das Gehirn eines Mannes. Und, so sagen sie, ein männliches Gehirn kann sich schneller an Stress gewöhnen kann, als das einer Frau. Ausserdem sind wir als Frauen sind wir immer noch ganz anderen Doppelbelastungen und Anforderungen ausgesetzt, als Menschen mit männlichem Geschlecht.

Wir sind angetrieben, den auferlegten Spagat zwischen äußerer Perfektion und effizientem Multitasking tagtäglich zu bewerkstelligen.

Fakt ist, wir Frauen leiden häufiger unter stressbedingten Krankheiten, wie Migräne, Schlafstörungen, Erschöpfung und Burnout. Dazu kommen noch alle Unregelmäßigkeiten, die unseren Menstruationszyklus betreffen können.

Individualität in der Ayurveda

Wenn wir in der Ayurveda von der Einzigartigkeit jedes Menschen ausgehen und mittels Ayurveda-Ernährung und Hilfsmitteln gezielt auf diese Einzigartigkeit eingehen können, macht es dann Sinn von ‚Ayurveda für Frauen‘ zu sprechen? Gibt es das überhaupt? Ayurveda für Frauen?

Wirklich elementar in der Ayurveda ist unsere von Geburt an gegebene Konstitution. Die Konstitution gibt Aufschluss darüber, wofür wir empfänglich sind.

Ausserdem ist der Ist-Zustand entscheidend. Der Ist-Zustand bedingt sich durch die gegebene Konstitution, die Kraft unseres Stoffwechsels und auch Klima und Lebenszyklus, in welchem wir uns befinden. Weiter natürlich soziale Bedingungen, die Struktur unserer Familie und unser Arbeitsplatz etc.

Der Körper der Frau in der Ayurveda

women-shakti copyright by julia wunderlich

Weibliche Kraft. Aus der Mitte heraus.

Laut Ayurveda besitzen Frauen mehr an Wasser und Erde in sich. Wasser und Erde bilden das Kapha-Dosa und stehen für Fülle und Fruchtbarkeit. Unser Körper ist darauf ausgerichtet Kinder zu gebären – wenn wir wollen – und sie zu nähren.

Frauen haben andere körperliche Bedingungen – also eine andere Physiognomie und Gewebsstruktur – als Männer. Sie haben so gesehen eine andere ‚Funktion‘ und somit auch ein anders funktionierendes Hormonsystem.

Striroga, die Frauenheilkunde

In der Ayurveda-Heilkunde ist eine umfangreiche Frauenheilkunde vertreten. Die Striroga bietet einen Schatz von Ayurveda-Heilkräutern und Ernährungstips für jede Art von ‚Frauenleiden‘, für eine komplementäre Behandlung ohne Nebenwirkungen.

Spiritueller betrachtet, werden die Heilkräuter in der Ayurveda als Göttin oder als weibliche Kraft gesehen. Die Kräuter tragen die Fruchtbarkeit und die Heilungskraft der Göttin oder der Mutter in sich…

In der Striroga wird davon ausgegangen, dass nahezu alle Frauenleiden mit einem Überschuß an Vata, einem zuviel an Wind beginnen. Zu viel Wind stört unsere Verdauungskraft, unser Stoffwechsel kann nicht gewinnbringend und kräftigend für uns arbeiten. Dabei ist ein intaktes Verdauungssystem Schlüssel zu unserer Gesundheit und zu innerer Balance.

Wenn die Hormone nicht in Balance sind, ist es unsere Verdauung auch nicht – und umgekehrt!

Zwar gibt es den Begriff der Hormone in der Ayurveda nicht, doch es gibt ganz gezielte präventive und reaktive Methoden, um mit weiblichen Hormonschwankungen umzugehen. Hormone werden in der Ayurveda dem Pitta-Dosha zugeordnet.

Wie das hormonelle System stabilisieren?

Gesellschaftlicher Druck, psychosozialer Stress durch Mehrfachbelastungen im Alltag haben einen großen Einfluss auf unseren Hormonhaushalt und den Verdauungsapparat. Andauerder Stress irritiert das Hormonsystem, die Verbindung zur Intuition und zu inneren Rhythmen, wie dem Menstruationszyklus gehen dabei verloren.

mangogriess ayurveda-mango mango-desert vegan-desert copyright by julia wunderlich no 4

Ein warmes Frühstück ist der erste Schritt zu Balance.

In der Ayurveda können wir gezielt auf jede Disbalance oder ‚Störung‘ mit Kräutern und Ernährung einwirken. Wir arbeiten mit den Signalen des Körpers:

Unsere Regelblutung, ihre Intensität, ihr Mangel und die Schmerzen meist Spiegel dafür, wie wir mit uns im Alltag umgehen und wie wir uns belasten.

Und wir können präventiv handeln! Vor allem, in dem wir für ausgewogene, regelmäßige Mahlzeiten sorgen. Mit möglichst gekochten Speisen.

Insbesondere in der Woche vor dem Einsetzen der Regelblutung sollten wir auf leichtes und warmes Essen achten. Aufbauende Nahrungsmittel, wie Feigen, Mangos, Mandeln, Reis und Hafer sind ideal, um den Körper zu stabilisieren.

Besonders wichtig: ein regelmäßiges, warmes Frühstück ist der erste Schritt zu innerer Balance und zu einem natürlichen Hormonhaushalt. Zu viel ‚kaltes Getreide‘ in Form von Brot schwächt Verdauungsfeuer und Schilddrüse. Beide sind elementar für unser Wolbefinden und unsere Gesundheit.

Den weiblichen Zyklus als Kraftquelle sehen

Das Ayurvedische System steht dafür, dass man erkennt, wie man sich selbst am besten nähren kann. Die Rückbesinnung auf die Nährung (nurturing) des Selbst auf körperlich und geistiger und emotionaler Ebene führt uns zu einem gesteigerten Bewusstsein für uns selbst und für einem Bewußtsein für die nährende und und schützende Qualität, die in jeder von uns steckt.

Kapha, die stabilisierende und fruchtbare Komponente, ist Basis in jeder von uns. Vertreten durch die Elemente Erde und Wasser. Sie machen uns geschmeidig und kraftvoll. Daher gilt es sie zu erhalten. Kapha-zehrend wirken halt Stress und auch Diäten, die dem physichen und psychischen Gleichgewicht mehr schaden, als dass sie von Nutzen sind.

Ayurveda für Frauen macht Sinn.

Denn auch, wenn in der Ayurveda Menschen anhand der Elemente und nicht anhand des Geschlechts verstanden werden, gibt es frauenspezifische Beschwerden und Krankheiten für die wir – wenn wir nicht auf uns achten – empfänglich sind.

Da wir Frauen öfter an Stresserkrankungen und Schilddrüsenproblemen leiden, als Männer, ist es für uns besonders wichtig, uns ganzheitlich und bewußt zu nähren und für Ruhepole im Alltag zu sorgen.

Von mir selbst weiß ich, dass eine Ayurvedische Lebensweise mich mir selbst näher gebracht hat. Mir selbst als ‚Frau‘. Und damit meine ich nicht eine mystisch-weibliche Identität, die sich an Bildern messen will. Ich meine auch nicht bedürftige Weiblichkeit.

Vielmehr meine ich die Verbindung zu meinen inneren Zyklen und Prozessen. Zu meiner Regelblutung, zu meiner Schilddrüse, zu meiner sich wandelnden äußeren Form. Ich habe gelernt, meine körperlichen Signale besser zu lesen und zu verstehen. Und ich lerne immer noch, wie ich am besten auf diese Signale reagieren und MIT ihnen arbeiten kann.

Eure Julia

Mehr zu meiner Frauenarbeit.

Shatavari, Ashwagandha und Aloe sind beliebte Heilkräuter, um das weibliche Hormonsystem zu stabilisieren und zu stützen, sollten aber nur in Absprache mit einer ErnährungsberatierIn oder HeilpraktikerIn eingenommen werden.

Im kommenden Kochkurs dreht es sich rund um die balancierende, nährende Ayurveda-Küche für Frauen. Hier werden wir ausgewogene, balancierende Ernährung noch mal vertiefen. Ich freue mich auf Euch.

Zu Lebensphasen und ‚happy aging‘.

Shakti, die weibliche Kraft.