Go cyclic! Entdecke deine weibliche Kraft

Eine praktische Anleitung, um mit deinen Zyklus-Phasen mitzugehen

Kurz bevor meine Großmutter gestorben ist, beschlich mich das erste Mal das Gefühl, dass ich mit ihr als Frau und als Großmutter meinen Frieden schließen müsse, um mir – auch als Frau – näher kommen zu können. Erst, wenn wir die gegebenenfalls negativen oder negierenden Bilder von Weiblichkeit innerhalb unseres familiären Kontexts richtig erkennen, können wir uns von ihnen lösen. Einige Monate nach dem Tod meiner Großmutter fühlte ich mich bereit, ihr, als auch mir selbst, die Auswirkungen von negativer weiblicher Dominanz zu verzeihen.

Durch mein Friedensritual ist es mir mehr und mehr gelungen, mich Stück für Stück von dem Bild eines perfiden, überkontrollierten, abtrennenden Frau-Seins zu befreien und mich endlich auf die Suche nach verbindender, liebender, weiblicher Kraft zu begeben.

Hand in Hand mit dieser Suche nach der eigenen authentischen Kraft und Weiblichkeit, ging – so habe ich es erfahren – die Integration meines weiblichen, hormonellen Zyklus.

Familiengeschichte und Weiblichkeit

Unser Verhältnis zur unserer Sinnlichkeit, unserer Sexualität und zu der Natürlichkeit des weiblichen Zyklus ist durch die Familie und unseren kulturellen Background geprägt. Hier halten sich auch heute weiter hartnäckig Vorurteile und Diskriminierungen dem weiblichen Geschlechtsorgan, dem weiblichen hormonellen Zyklus und auch weiblicher Lust und Leidenschaft gegenüber.

In unserer Leistungsgesellschaft ist gleichbleibende Leistung, Ausdauer und größtmögliche Flexibilität hohes Gut. Hormonelle Schwankungen, körperliche Schwäche und mentales Ungleichgewicht sind Störfaktoren, die Angst machen und denen meist kein Raum zugeschrieben wird.

Vorherrschende Bilder von der „Ideal-Frau“ schließen auch immer ihre Menstruation mit ein. Diese sollte unter anderem möglichst unbemerkt und – für das Umfeld – bequem von statten gehen… Dieses Verhalten wird vielen jungen Frauen von ihrer ersten Blutung an vermittelt. Dabei sind unkontrollierbare Veränderungen, Gefühle von Liebe, Trauer und Wut natürliche Begleiterinnen unseres Zyklus.

Mit der hormonellen Umstellung und dem Wachsen zu Frau werden wir ‚Mehr‘ in der Welt, runder, sichtbarer. Dies ist ein besonderer Moment. Es ist der Zeitpunkt, in welchem sich positive, wie negative Assoziationen mit Weiblichkeit in uns verankern.

Gita Iyengar schreibt in ihrem Buch Yoga für die Frau über den Übergang vom Mädchen zur jungen Frau:

Eine gesunde Atmosphäre und richtige Anleitung in der Schule und Elternhaus sind notwendig in dieser Zeit der Neuorientierung.

Das ist nüchtern, total logisch – und in den meisten Fällen leider gar nicht selbstverständlich.

Die Begegnung mit deinem eigenen Rhythmus

Erinnerst du dich noch an deine erste Regelblutung? Und erinnerst du dich an die Reaktion von deinem Vater und vor allem die deiner Mutter und auch Großmutter auf dieses Ereignis? Und fühlst du, wie du genau bei dieser Frage innerlich abwinken willst, mit dem Gedanken:

Hey, das ist doch ewig her, was hat das mit mir jetzt zu tun?

Glaub mir, es lohnt sich wirklich, noch einmal genauer hinzuschauen und in die Situation zurückzugehen, um zu sehen und zu verstehen, welchen Wert Fruchtbarkeit in deiner Familie hatte und welche Form von Weiblichkeit in deiner Familie gezeigt und gelebt werden durfte. Vielleicht erkennst du Parallelen in deinem (unbewußten) Frauen-Bild von heute.

Unsere Gebärmutter speichert bereits in der Pubertät Gefühle von Ablehnung, Verlorenheit, Angst, ebenso wie die von körperlicher Akzeptanz, von weiblicher Verbundenheit und Liebe, von Ehrfurcht vor dem Geschenk der beginnenden Fruchtbarkeit.

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Utensilien für mehr Bewußtsein im Unterleib. Informationen zum Yoni-Ei findest du weiter unten.

Erwachen in die Weiblichkeit

Klar, sagst du, der Zyklus ist ein ganz natürlicher Prozess, der ist halt so da!? Doch: mit unserem hormonellen Zyklus erhalten wir den Schatz und die Möglichkeit, unsere körperlichen, emotionalen und geistigen Vorgänge besser zu verstehen, uns tiefer zu erkennen und letztlich uns selbst zu akzeptieren.

Mit unserer Beobachtung des eigenen Zyklus, nehmen wir uns diesen Raum und begreifen auf größerer Ebene, was für eine Kraft der Veränderung und der Transformation von Monat zu Monat in unseren Körpern steckt.

Und: dieser Schritt ins Beobachten ist gar nicht schwer. Im Grunde genommen ist es ein ganz einfacher und natürlicher Weg, um dir selbst ein Stück näher zu kommen.

Die vier Phasen des menstruellen Zyklus

Die vier Phasen des menstruellen Zyklus gleichen den vier Mondphasen. Ein Mondzyklus dauert 29 Tage, viele Frauen haben jedoch kürzere oder längere Zyklen – und das ist gar kein Problem. Die Blutungszeit dauert in der Regel zwischen zwei und sieben Tagen. (Keine Blutung, zu lange oder starke Blutung und Schmerzen weisen auf eine Disbalance hin, der meist auch ohne Pille begegnet werden kann. Siehe unten.)

Der Zyklus der Frau besteht aus

  • der Monatsblutung
  • die follikuläre Phase, Zeit nach der Monatsblutung
  • der Ovulation
  • die luterale Phase, Hormonabfall nach dem Eisprung
mandala moon yoga

Jahreszeiten, Mondphasen und hormonelle Phasen beeinflussen sich gegenseitig.

Die Blutungszeit, unsere „Moontime“

Unsere Blutung spiegelt unsere Fruchtbarkeit. (Hiermit ist nur die „echte Blutung“ ohne Pilleneinnahme gemeint.) Anhand unserer Blutung können wir erkennen, wie sehr unser Körper und unsere Seele in Balance sind.

Während unserer Monatsblutung entgiftet unser Körper. Das heißt, er ist empfindsam und kann äußere Einflüsse schlechter „verdauen“. Die Blutung kann Schmerzen, Unwohlsein, körperlicher Schwäche, Unkontrollierbarkeit (des Blutes) bedeuten, sowie Gefühle von Trauer und Einsamkeit. Dies ist auch ein Grund dafür, dass viele Frauen ihrer Blutung als ‚Behinderung‘ entgegensehen.

“Traditionally, the Moontime is the sacred time of woman when she is honored as a Mother of the Creative Force. During this time she is allowed to release the old energy her body has carried and prepare for reconnection to the Earth Mother’s fertility that she will carry in the next Moon or month.“ Jamie Sams

Die Zeit der Menstruationsblutung entspricht energetisch dem Winter. Wir sollten jetzt jede Gelegenheit dazu nutzen, um uns auszuruhen und den Körper in dieser sensiblen Zeit zu schonen. Idealerweise verbringen wir jetzt viel Zeit mit uns selbst. Entspannende Yoga-Übungen, Lesen, Kerzenlicht, Wärmflasche und eine Kanne Frauenkräutertee tun nun besonders gut, um uns einen sicheren und ruhigen Raum zu schaffen.

Je mehr uns das gelingt, um so leichter lassen sich Schmerzen balancieren, um so geringer wird das Gefühl von Unwohlsein und um so eher können wir uns entspannen und die Blutung als das sehen, was sie wirklich ist: Spiegel unserer Kraft und Fruchtbarkeit.

Und: je mehr wir während der Blutung unsere Bedürfnisse achten, um so mehr Energie haben wir im kommenden Zyklus.

Frühling nach dem Dunkel

Nach der Monatsblutung fühlen wir uns oft wie neu geboren. Es ist, wie ein Schritt ins Licht nach emotionaler Dunkelheit. In dieser Zeit fühlen wir uns jung und lebendig und voller Energie.

Hier steigt in unserem Körper das Estradiol (auch Östrogen). Estradiol gilt als unser „happy hormone“, da es direkt mit der Produktion von unseren Glückshormonen Serotonin und Dopamin einher geht. Deswegen fühlt sich die Zeit nach der Blutung manchmal wie ein „high“ an.

Die Ovulation

Unsere Ovulation kündigt sich auf der körperlichen Ebene mit dem Beginn von Ausfluss an. Dieser Ausfluss ist natürlich und wichtig. Er zeigt uns, dass ein Eisprung tatsächlich stattfindet. Manche Frauen nehmen zu dieser Zeit ein leichtes Ziehen im Unterleib war.

Auf der emotionalen Ebene spüren wir den nahenden Eisprung an unserem Harmoniebedürfnis, dem Wunsch zu Umsorgen (Zeit der inneren Mutter) und an unserer Sinnlichkeit. Jetzt sind wir ziemlich ausgeglichen, zufrieden mit uns und unserem Umfeld. Vielleicht hast du bemerkt, dass du an bestimmten Tagen im Monat eine andere Anziehungskraft auf deine Umgebung ausübst?

Der innere Herbst

Nun folgt die Phase des hormonellen Abfalls. Wenn das Ei nicht befruchtet worden ist, dann sinkt Östrogen ab. Unser Progesteron-Level steigt und sorgt für einen Mangel an emotionaler und geistiger Stimulation. Sprich: die Harmonie geht flöten und wir sind „plötzlich“ ungeduldig, unwirsch, intolerant gegenüber uns selbst und anderen.

Je nach deinem Ayurveda-Typen können jetzt verstärkt Traurigkeit, Wut, Ängstlichkeit oder Lethargie zum Vorschein kommen. Dies wird unter PMS, Prämenstruelles Syndrom, zusammengefasst.

Was sich manchmal schrecklich anfühlt, kann sehr kraftvoll sein. Das Wilde, Dunkle, das jetzt in uns zum Vorschein kommt, ist in unserer Gesellschaft oft nicht akzeptiert und wird als nerviges „Gehabe“ abgetan. Gerade die Umdeutung dieser Phase als Moment von Kreativität und Schaffenskraft, kostet einige Übung. Aber – so viel kann ich dir versichern – es wird von Mal zu Mal einfacher!

Ich kann dir nur empfehlen, in dieser Zeit deine innere Stimme zu achten und auf deine innere Kritikerin zu hören. Sie kann dich darin unterstützen, klare und gegebenenfalls längst „überflüssige“ Entscheidungen zu treffen.

Leben mit dem natürlichen Rhythmus

Wie du über die vier Phasen gelesen hast, gibt es in und mit uns eine Menge zu entdecken.

Alles, was du zum Einstieg in das Leben mit deinem natürlichen Rhythmus brauchst, ist ein Buch, in dem du deinen Zyklus notierst. Hier kannst du erstmal deine Blutungen, das Datum, die Intensität und die Dauer als auch deine Gefühle eintragen.

Als Tag 1 gilt der erste Tag deiner Monatsblutung. Letzter Tag ist der letzte Tag vor der neuen Blutung. Du kannst über einen Mondkalender herausfinden, in welcher Mondphase du beginnst, zu bluten. Der Mondzyklus ist ganz elementar mit unserem weiblichen Zyklus verbunden – auch auf emotionaler Ebene.

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Mögliche Variante für deinen Zyklus-Kalender.

 

Du kannst aufschreiben, wann du auf welche Aktivitäten so richtig Lust verspürst, welches Essen dich jetzt anspricht und was dir gerade so richtig gut und weniger gut gelingt. Und vor allem, wann du dich in dir wohl und zu Hause fühlen kannst.

Bald wirst du feststellen, dass deine Zeit von Aktion und Kommunikation, von Rückzug und Ruhe zyklisch ist. Du wirst sicherlich merken, was du in welcher Phase besonders brauchst und wovon du dich gerade lieber fernhalten solltest. Du kannst hierfür auch die App ‚the Flow‘ zur Unterstützung nehmen.

Was mache ich, wenn ich bemerke, dass mein Zyklus unregelmäßig ist oder von Beschwerden bestimmt?

Es kann passieren, dass sich mit der Beobachtung deines Zyklus eine starke Unregelmäßigkeit offenbart oder dass du dir vermehrt Symptomen bewußt wirst, die auf eine Disbalance hinweisen. Dieses können heftige Schmerzen, sehr lange Blutung, kaum Blutung, sehr schmerzhafte Ovulation etc. sein.

Du solltest diese Symptome immer von deiner Gynäkologin abklären lassen. Auch Bluttests zum Ausschluss einer tiefer gehenden hormonellen Disbalance können hilfreich sein. Deine Schilddrüse, Unfruchtbarkeit und Erkrankungen, wie Endometriose können hier eine Rolle spielen.

In vielen Fällen empfiehlt sich eine zeitweise Umstellung der Ernährung und die Unterstützung von Heilkräutern, möglicherweise sogar eine Ayurveda-Reinigung. Probleme mit dem Menstruellen Zyklus sind meist auch durch Stress oder Überlastung, unerbittliche Ansprüche an das Selbst und negative Leitsätze begründet.

Göttliche Kraft oder einfach Biologie?

Frauengruppen können eine wunderbares, ergänzendes „Hilfsmittel“ sein, um dir, deiner Gebärmutter und ihrem Zyklus näher zu kommen. Hierzu findest du es mehr oder weniger spirituelle Ausrichtungen. Von Gebärmutter-Meditationen über ‚Wild Feminine‘ hin zu ‚die Frau als Göttin‘ ist alles möglich. Wenn du dir nicht sicher bist, wie du die Integration mit dem Zyklus angehen willst, dann lass dich einfach treiben und probiere aus, wohin dein Gefühl und dein Ruf dich führt.

Mit welchem Blickwinkel du an deinen Zyklus herangehst, ist letztlich egal. Wichtig ist, die Phasen bewusst zu beobachten und die psychischen und physischen und sexuellen Veränderungen zu verstehen und als Teil deiner selbst zu akzeptieren.

Der Fluss

Die Integration des weiblichen Zyklus ermöglicht ein Leben in Bewußtsein und Klarheit. Sie ist unterstützt dabei, fest sitzende Ängste und Blockaden zu lösen und eröffnet uns das Feld der Selbst-Erkenntnis. Sie ist ein wunderbares Mittel, die Liebe und Harmonie in uns zu stärken und unsere Mütter und Großmütter mit mehr Milde und Liebe zu betrachten. Dieser Schulterschluss ermöglicht uns, freiere Mütter zu werden, egal, welcher Form von physischer oder kreativer Geburt wir uns widmen wollen.

Das Wissen um die Kraft des Zyklus gibt uns den Raum und die Macht für Versöhnung, bewusste Entscheidungen und für ganz mutige Entfaltung, die uns zur Ganzheit führt.

A witch who is woken in the womb can dream her life into being. Lisa Lister

Go cyclic!

Deine Julia

Dies ist ein überarbeiteter Artikel, den ich für den Blog Fuck Lucky Go Happy geschrieben habe.

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Bildquellen Iara Vilarbebo und Julia Wunderlich.

2 Gedanken zu “Go cyclic! Entdecke deine weibliche Kraft

  1. Pingback: Die Mondin und du, eine heilende Verbindung. – Gypsie Mama

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