Protein, die Säule in deiner gesunden Ernährung

Eine Liebeserklärung.

Proteine sind lebenswichtig. Für unseren Körper und seine Gesundheit. Auch für unsere Gehirnfunktion sind sie unerlässlich. In einer vegetarisch/ veganen Ernährung ist es besonders wichtig, auf eine regelmäßige Proteinzufuhr zu achten, damit wir uns weiterhin kraftvoll und balanciert fühlen können. Hülsenfrüchte, wie Linsen, Soja und Bohnen verfügen über einen hohen Proteingehalt. Oft sind aber diese Protein-Hammer schwer verdaulich. Die Ayurveda hält viele wunderbare Tips bereit, Hülsenfrüchte so zuzubereiten, dass wir sie gut aufschlüsseln und transformieren können.

Foodprints

irantravellers copyright julia wunderlich

Iran. Esfahan.

Meine Reise-Erinnerungen sind an Essen gekoppelt. Das lokale Essen bestimmt, ob ich mich an einem Ort wohlig und zu Hause fühlen kann. Als ich im Herbst 2014 mit meinem Sohn durch den Iran gereist bin, war dies unsere größte Herausforderung. Das Essen. Er vegetarisch und ich auf dem Weg ins vegane und auf jeden Fall glutenfrei! Einfach unmöglich. In diesem wunderbaren Land mit so viel schroffen Bergenketten und unfruchtbaren Böden sind Gemüsegerichte rar. Es gibt in den lokalen einfachen Restaurants und auf den Märkten hauptsächlich Fleisch und Getreide zu essen.

Mein Sohn ernährte sich die kommenden Wochen von Eiern, Fladenbrot und Reis. Mein Frühstück bestand meistens aus Datteln und Frischkäse. Mittags und Abends dann Reis mit Butter, Safranreis mit Butter oder Zatar-Reis mit Butter.

Bis ich ‚drauf hatte, die Restaurants mit Gemüseoption zu erkennen, vergingen ganze zwei Wochen. Datteln, Frischkäse, Reis und Mandeln. Ich bin ein Protein-Junkie. Proteine in Form von Linsen vor allen Dingen. Wenn ich Linsen esse, fühlt sich das an, wie nach Hause kommen… In der Zeit gab es keine Proteine für mich weit und breit. Ich fühlte mich reizbar, müde, unausgeglichen.

Dal-Wallah’s

Dann kam Indien. Ankunft in Delhi. Wir sitzen im Andra Bhavan. Um mich herum fliegen Hände und Kellen. Fünf verschiedene Männer schauffeln immer wieder Essen auf die Platten. Blechern kratzen ihre Kellen an den Eimern entlang. Eimer voller Dal – Linsen – und Gemüse. Hier gibt es Küche aus Andra Pradesh, Ostindien. Während mir der Schweiß trieft und meine Ohren taub sind vom Scheppern indischer Enge, schmilzt Dal auf meiner Zunge. Indischer Dal. Immer und überall anders. Immer und überall wie nach Hause kommen.

Ich erinnere mich an mein erstes indisches Dal. In Varanasi. Eine kleine Kaschemme nahe dem Verbrennungsghat. Kaschemme in Mintgrün. Ein Holzbrett an die Wand genagelt als Tisch. Eine Bank zum Sitzen. Der Blick aller auf die Wand in Mintgrün. Chapati, Spinat, Dal. Jeden Tag. Der beste Dal der Welt. Butter im Mund und Kraft für Körper und Seele.

Dahl, Daal, Dhal

Dal, die Linse oder Hülsenfrucht. Seit ca 9000 vor Christus gehört sie zu der Ernährung der Menschen dazu. In alten buddhistischen Schriften, die eine Ahimsa-Lebensweise und Ernährung propagieren, findet man Dal ebenso, wie in medizinischen Ayurveda-Schriften. Ahimsa, die Nicht-Verletzung von Leben. Und Dal, die pflanzliche Proteinquelle, günstig, sättigend und voller Nährstoffe!

Dal ist Kraftessen. Das Kraftessen in der Ayurveda. Für Körper und Geist.

varanasi 2001. copyright julia wunderlich

Photo vom Photo. Dal-Wallah. Varanasi, 2001.

Ob in der Andra-Kantine in Delhi oder in einer Fischerhütte auf einer Insel Bengalens oder im Unterholz von Anjuna (Goa), überall schmeckt dieser Dal anders. Immer ist es Spiegel von lokaler Tradition, von aktuellen klimatischen Bedingungen, von dem, was der Boden geben kann. Jede Region würzt und kocht anders.

Dal in der Ayurveda

Jedes traditionell indische Dalgericht ist darauf ausgerichtet, dass die Nährstoffe perfekt aufgeschlüsselt und transformiert werden können.

Auch in der europäischen Ayurveda greifen wir bei der Zubereitung von Dal auf ‚typisch indische Gewürze‚, wie Kreuzkümmel, Kurkuma und Koriander zurück. Die Kombination dieser drei Gewürze garantiert eine bessere Verdauung der blähungsfördernden Hülsenfrüchte.

Dal als Linse schmeckt meist süß. Süß ist von aufbauender, nährender Qualität. Süß beruhigt den Geist und hält uns geschmeidig. Dal ist extrem sättiged, dank der Proteine. Und er gibt Struktur, Substanz, Stabilität.

Dal schmeckt auch herb. Je nach Sorte verschieden intensiv. Herb sorgt für Luft im Bauch, Luft führt zu einer schwachen Verdauung. Deswegen vertragen wir Hülsenfrüchte am besten Mittags, wenn unser Verdauungsfeuer (Agni) besonders stark brennt.

Dal schenkt Basis

Dal bietet eine sichere, ausgewogene und stabilisierende Versorgung für unseren Körper und Geist. Eine regelmässige Ernährung mit Hülsenfrüchten schützt vor Heißhungerattacken und vor unangenehmen Schwankungen des Blutzuckers und versorgt mit Vitamin B1 und B6.

Um ehrlich zu sein hatte ich den Kulturschock meines Lebens, als ich vom Iran nach Indien kam. Nach Wochen von respektvoller Höfflichkeit schlug mir die anarchische Wuselei und Enge Delhis wie eine Faust ins Gesicht. Ich möchte gerne noch einmal in den Iran reisen. Vor allem in den Nord-Westen. In die Berge. Mit ganz viel Datteln und Mandeln im Gepäck. Und manchmal träume ich dann heimlich von meinem ersten indischen Dal. Mit Blick auf Mintgrün.

Frühlings-Dal mit Urid

Urid ist eine spezielle Hülsenfrucht.Du kannst sie im Asialaden oder beim Inder kaufen. Urid hat den höchsten Proteingehalt in der Familie der Linsen. Urid schmeckt vorwiegend herb, weswegen sie für den Frühling sehr gut geeignet ist. Da Urid aber auch schwer verdaulich ist, wird sie mit Chilliepulver gekocht und mit extra viel Zitronensaft abgeschmeckt. Du kannst für dieses klassiche Ayurveda-Tharka aber auch jede andere Linsensorte nehmen. Dann ohne Chillie und die Kochzeit der Beschreibung entnehmen.

Du brauchst

dal-tharka urid-dal copyright by julia wunderlich

Dal-Tharka

für 4 Portionen

 

250 g Urid Dal, Chilka/ halbiert

1 TL Kurkuma

1 Prise Chillie

Für den Tharka

2 EL Ghee oder Kokosöl

Curryblätter

1 TL Fenchelsaat, ganz

1 TL Kreuzkümmelsaat, ganz

1 Knoblauchzehe, gehackt

1 daumengroßes Stück Ingwer, gehackt

Salz und Zitrone.

So einfach geht’s:

Wenn du Zeit hast: den Dal in der Pfanne rösten. Ohne Fett, für 5 Minuten. Das hat den Vorteil, dass die Linsen beim Kochen nicht zerfallen. Sie schmecken aber auch perfekt, wenn du sie nicht röstest.

Dann die Linsen mit Kurkuma, Chillie und 2,5 x Wasser in einen Topf geben. Linsen köcheln lassen, bis sie gar sind. Das dauert maximal 20 Minuten. Wasserstand prüfen!

In einer Pfanne Fett erhitzen, Curryblätter hinein. Dann Fenchel und Kreuzkümmel. Knoblauch und Ingwer hinterher. Im Fett schwenken. Die Linsen hineingeben und kurz mit den Gewürzen zusammen kochen lassen. Mit Salz udn Zitrone abschmecken. Koriandergrün darüber. Fertig!

Bon appetit!

Deine Julia

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