Winter-Check-Up mit Apple-Crumble

Hemanta, Sex und Ayurveda-Apple-Crumble und was Du sonst noch über den Frühwinter wissen musst.

In Europa beginnt der kalendarische Winter erst kurz vor Weihnachten. Im Ayurveda hingegen beginnt der Winter früher und ist in zwei Phasen aufgeteilt, den Früh- und den Spätwinter. November ist demnach die Zeit des Hemanta, des Frühwinters. Im Frühwinter sind wir bereits ein Stück von der Sonne weggerückt. Umschattete, kürzere Tage bringen nun Entschleunigung.

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Frühwinter bedeutet schrittweisen Rückzug. Einkehr ins Innen. Zentrierung. Entschleunigung.

Im Hemanta stehen wir vermehrt unter den kühlenden Eigenschaften des Mondes. Feuchtigkeit und Stabilität nehmen zu, beides Eigenschaften, die mit dem Kapha-Dosa verbunden werden. Winter ist Kapha-Zeit. Kapha (Erd- und Wasserelement) steht für Erdung, Geschmeidigkeit, Fruchtbarkeit, Immunität, für genährt sein.

Was passiert in uns im Hemanta?

Im Hemanta sind Stoffwechsel und seine transformative Kraft sind sehr aktiv. Unsere potente Verdauungskraft zeigt sich in gesteigertem Hunger und Appetit. Ein warmes Frühstück ist zu dieser Jahreszeit besonders wichtig, um unser Verdauungsfeuer zu unterstützen.

Aber warum die Verdauungskraft noch mehr unterstützen? Um unsere Körpertempertur auch bei Kälte stabil zu halten, brauchen wir einen aktiven Stoffwechel. Ein loderndes Verdauungsfeuer wärmt uns von Innen und macht die Aufnahme von vitamin- und mineralienstoffhaltigen Kohl- und Hülsengerichten erst möglich. Gesteigerte Verdauungskraft stützt unser Immunsystem, auf welches wir auch und vor allem im Winter angewiesen sind. Diäten oder Ausleitungskuren sind jetzt nur bei Krankheit empfohlen, denn im Hemanta bauen wir Stärke, Basis und Balance für das kommende Jahr auf.

Was Dir jetzt gut tut

Neben dem Apple-Crumbe weiter unten kannst Du vermehrt süße, saure und salzige Nahrung zu Dir nehmen, bestenfallls ölig und nährend. Süß meint hier nicht gleich Zucker, sondern eher den süßen Geschmack. Süß und erhitzend sind zum Beispiel Karotten, Rote Beete und Spitzkohl. Mit Gewürzen kannst Du Dich im Winter allgemein austoben: Zwiebeln, Knoblauch, Chillie, Nelken, Zimt, Kurkuma, Muskat und Sternanis wärmen uns von innen und wappnen uns vor kommender Kälte.

Zu guter letzt: viel Bewegung an der frischen Luft! Sauerstoff und Licht schenken uns Energie und heben unsere Stimmung, schützen also auch vor dröger Winter-Lethargie. Ach ja, und Sex. Hemanta ist, laut alten ayurvedischen Schriften, die Zeit, in welcher Sex am ehesten empfohlen ist. Warum? Wie alles im Ayurveda, sollte auch die Sexualität an die Jahreszeiten angepasst sein. Wie oben beschrieben, ist der Frühwinter eine Kapha-Zeit, das Erd- und Wasserelement agieren vorrangig in uns. Zeit der Robustheit, Sättigung und Nährung. Auch unsere Körpersäfte sind in dieser Zeit vermehrt. Die perfekte Zeit also – für Ausdauer, Sex und Fortpflanzung.

Das Rezept

Das Apple-Crumble hat alles in sich, was Du zu dieser Jahreszeit sehr gut gebrauchen kannst. Mit Seretonin-Boost-Hafer, ausgiebig Zimt, Muskat und Nelken. Es wärmt  Dich und nährt und ist unglaublich süß-sauer-köstlich. Am besten gleich mehr machen, denn es schmeckt auch am nächsten Tag – zum Beispiel als Frühstück – noch wunderbar!

Hemanta-Apple-Crumble

für 8-10 Portionen brauchst Du:
Ι Für die Füllung
apple-crumble vegan-apple-crummble glutenfrei-crumble ayurveda-dessert rolling tiger copyright by julia-wunderlich 5

Zauberhaftes Apple-Crumble.

8 Äpfel

1 Zimtstange

1/2 TL Orangenschale

1/3 TL Kurkuma

1 Stück Ingwer

3 EL Ahornsirup

4 Nelken

200 ml naturtrüber Apfelsaft oder Wasser

Ι Für den Boden

200g Haferflocken

1 Prise Salz

100 g Kokosfett oder Ghee

Ι Für das Topping

1 Hand Nüsse (Mandel, Haselnuß)

1 EL Cranberries

1 EL Sonnenblumenkerne

1 EL Kokosflocken

1 EL Rosinen

2 EL Dattelsüße

2 EL Vollrohrzucker

2 TL Zimt, gemahlen

1/2 TL Muskat, gemahlen

1 TL Cardamom, gemahlen

etwas roter Pfeffer

150 g Kokosfett oder Ghee

200 g Buchweizenflocken

100g Glutenfreie Haferflocken

Kokos- oder Gheeflocken zum darüber streuen.

Ι

Für die Apfelfüllung

Äpfel waschen und entkernen, klein würfeln.

Apfel mit den anderen Zutaten in einen Topf geben und ca 20 Minuten dünsten lassen. Abschmecken, falls Du saure Äpfel genommen hast, gegebenenfalls nachsüßen. Zimtstange herausnehmen und abkühlen lassen.

Für den Boden

Kokosfett oder Ghee schmelzen, mit den anderen Zutaten vermischen und auf dem Boden einer feuerfesten Form festdrücken.

Für das Topping

Die Nüsse fein hacken und mit Cranberries, Rosinen, Kokosflocken, Sonnenblumenkernen, Dattelsüße, Vollrohrzucker und den Gewürzen vermengen. Mit Buchweizenflocken und Haferflocken vermischen. Kokosfett oder Ghee schmezen und untermengen. Die Konsistenz sollte streuselig sein.

Jetzt die gekochten Äpfel auf den Haferflockenboden geben. Anschliessend das Topping darüber streuen. Kokos- oder Gheeflocken darüber geben.

In den vorgeheizten Ofen bei 180 Grad ca 40 Minuten backen. Nach 10 Minuten mit Backpapier abdecken. Danach etwas abkühlen lassen und geniessen.

Das Crumble schmeckt auch wunderbar mit Soja-Vanillepudding.

Ι

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Äpfel mit Orangenschale, Zimt und Ahornsirup.

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Crumble-Nuss-Gewürz-Mischung.

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Aussen knusprig, innen saftig und voller Hemanta-Kraft.

Für mehr wärmende Winterküche kannst Du Dich hier für meinen Ayurveda-Kochkurs anmelden.

Makro-Kosmos-Nahrung

Vom Makro-Kosmos, Kartoffel-Selbsternte, der Berlin-Food-Week und warum das alles auch Ayurveda-All-Round-Nourishment ist.

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Kartoffel in Herbst-Erde.

Ich stehe auf einem Kartoffelacker bei Berlin. Vor mir ist ruppige Weite, über mir endlos blaublauer Himmel. Der Wind duftet süß nach fallendem Laub. Meine Schuhe stecken im Staub eines aufgewühlten Kartoffelfeldes. Die Erde spricht die Sprache des Herbstes. Sie ist fein und rauh, darunter voll der Kraft. In ihr liegen vereinzelt kleine, runde und große, dicke Kartoffeln, die vom Kipplader wieder herunter gefallen sind. Ich bücke mich und sammel´ Kartoffeln in meinen Beutel. Wie sie wohl schmecken werden? Streife die Erde ab, mit meinen Händen. In diesem Moment, in diesem Herbst bin ich diese Erde: fein, rauh, darunter voll der Kraft.

Vom Acker ins Beton
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Berlin-Food-Week.

Eine Stunde später stehe ich im Kraftwerk. Berlin-Food-Week. Kalte Betonfeiler, von oben nacktes, blaues Licht. Stimmenrausch, Treiben und Geruchextreme. Erstmal Probiermeile. Cremigstes Rhabarber-Confit von marmelo, Apfelstrudel- schnaps, Fingersalz mit fruchtiger Zitrone und richtig guter Kombucha von der Berlin Kombucha Society. Im Vorbeigehen auch mal die Paleo-Palette durchprobiert – den Hype verstehen. Dann die Restaurant-Street. Sich entscheiden. Nach Auge, nach Gefühl: Neon-Püree von Chicha mit crazy Topping. Berlin Cuisine verspricht Berliner Küche und ist so garnicht Berlin, denn hinter spritzigem Johannisbeeren-Schaum türmen sich allein fetteste Steaks. Ich bleibe stehen bei gnamo, das heisst, ich drängel mich durch die staunende Traube. Gnamo, laut Restaurant-Street-Guide für Nicht-Traveller, Gerne-Urlauber mit Wald- oder Bergfeeling. Whatever.

Food-Art ins Herz

Was gnamo bietet, ist wahre Kunst! Vegane-Dehydration-Akrobatik. Nach einer halben Stunde Warten bin ich an der Reihe. Die letzte Komposition vor dem Total-Ausverkauf. Chris, der schon bei The Bowl Raw-Food-Meister war, reicht mir meine Platte. Ich setze mich an einen der langen Tische im Saal und bin ganz bei mir, bei diesem Essen. Mit Augen, meiner Nase, dem Gaumen. Bissen um Bissen lasse ich Spirulina-Cacao-Butter in mich schmelzen. Über mir flackert weiter kühles Blau, an meinen Händen die Reste brandenburgischer Erde, vermengt mit Cashew-Käse.

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Gnamo-Art.

Eigendlich stehe ich nicht so auf De-Hydration-Food. Ich liebe es, wenn knackiges Gemüse im Gewürzansatz seinen Saft verliert und mit der Gewürzmelange etwas ganz Neues, Kräftiges entsteht. Aber jetzt auf der Food-Art-Meile ist dies mein Glückstreffer. Ich bin verliebt.

Und Ayurveda? Ayurveda meint auch immer All-Round-Nourishment: verbunden sein im Draussen mit dem Rhythmus der Jahreszeiten. Die Luft, die Erde und Du. Makro-Kosmos-Nahrung – über die Nahrung hinaus genährt sein. Makro-Kosmos-Nahrung ist auch die Stille. Die Stille, welche entsteht durch die Vereinigung aller Sinne im Jetzt. Die Stille beim Genuss. Also ich ganz bei gnamo. Komplett eintauchen, dann weiterhuschen, zum Kürbiskern-Workshop…neues lernen.


Vom Schleudern und der Kraft des Herbstes

Warum uns der Übergang von Sommer zu Herbst ins Schleudern bringt und wie wir aus der Kraft des Herbstes lernen können – immer wieder und immer wieder neu.

In der letzten Woche hat mich eine Grippe ans Bett gebunden. Zuerst kam ich in den „Ich hab´jetzt einfach keine Zeit, um krank zu sein!“ – Modus. Als der Turm von Erkältungs-Tees und Kurkuma-Honig-Löffeln immer höher wurde, habe ich mich gefragt: warum denn jetzt? Ich bin voller Pläne, habe so viel zu tun! Vor allem war klar: ich brauche eine Pause!

Ayurveda und die Jahreszeiten

Kurkuma Curcuma Ayurveda-Kurkuma Ayurveda-Cold-Remedy Ayurveda rolling-tiger copyright by julia-wunderlich

Kurkuma mit Honig und Pfeffer als Erkältungs-First-Aid-Kit.

Im Ayurveda sind wir, sowie die in uns vorherrschenden Elemente, unabdingbar mit den Jahreszeiten und dem uns umgebenden Klima verbunden. Die Stellung der Sonne hat einen direkten Einfluss auf unseren Stoffwechsel. Zudem gelten im Sommer, Herbst und im Spätwinter bestimmte Elemente in uns als erhöht. Auch die Empfänglichkeit für Krankheiten ist zu Jahreszeiten höher, in denen diese Elemente – oder Dosas – in uns vorherrschen. So haben wir am Ende des Winter meist mit klebrigen Erkältungen zu tun. In dieser Zeit ist die Feuchtigkeit oder unser Kapha-Dosa erhöht. Das kann sich anfühlen, wie eine nicht enden wollende Gletscherschmelze in uns: Sinusitis für 2 Wochen trotz Dauer-Rotlicht. Im Sommer, wenn das hitzige Pitta-Dosa dominant ist, bekommen wir leicht eine Sommergrippe mit Fieber oder Durchfall. Und im Herbst, wenn Vata, das Wind-Element in uns vorherrscht, wird unsere Haut trocken, die Verdauung stockt, wir bekommen Kopfschmerzen, Gliederschmerzen und Erkältungen. Gerade in den Übergängen zwischen den Jahreszeiten, ist unsere Sensibilität erhöht und es gilt leichte, nährende und warme Speisen zu sich zu nehmen, um unser System zu stützen, statt es mit schwerer Nahrung zu belasten.

Die Kraft des Herbstes und wie wir sie für uns nutzen können

Und der Herbst? Ist, wie runterkommen, nach einem Sommer, der uns mit Hitze, kurzen Nächten und einem Leben im Draussen beflügelt hat.

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Ent-Schleunigung mit Herbst-Strauss im Gepäck.

Diejenigen unter uns, die mit Wärme nicht so gut zurecht kommen und sich im Sommer körperlich unwohl fühlen, sehnen den kühlen Morgen des Herbstes herbei. Das fühlt sich dann an, wie: aufatmen.

Doch die, welche sich durch Hitze befreit fühlen und im Sommer den wahren Sinn des Lebens sehen, die landen jetzt eher unsanft. Nach dem Sommer-Run kommt ein Schleudern und dann der Fall in Erschöpfung oder eine Grippe. Irgendetwas eben, das Pause zu Dir sagt.

Wenn Du auch so ein Herbst-Stolperer bist, wie ich, dann hilft es, den Herbst zu empfangen, mit seiner erdenden, besänftigenden Kraft. Einen Blick zu werfen, auf die Dinge, die Du in diesem Jahr schon für Dich erreicht hast. Einen Spaziergang zu machen, statt den nächsten Termin in den Kalender zu schreiben – und Dich zu verwöhnen. Mit etwas mehr Ruhe, Regelmäßigkeit, einem saisonalen, satten Herbst-Gericht und einem Schuss mehr Öl/ Ghee im Essen.

Am Ende habe ich mich doch für drei Tage ins Bett verzogen. Mit Rotlicht im Gesicht, Wärmflasche auf dem Bauch und schnurrendem Kater an den Füßen – und hatte Zeit für Nichts, für Erdung, für Ent-Schleunigung.

Entschleunigungsgarant: Kürbis-Curry-Rezept

Mit Herbst-Soundtrack